Die Komfortzone

Kind mit starken Armen vor einer Tafel

veronika-hoeller Allgemein , , , , , , , ,

Die Komfortzone ist ein warmer, ruhiger Ort an den sich jeder von uns zurückzieht. Ich habe das die letzten Wochen gemacht und aus diesem Grund lange nichts mehr von mir hören lassen.

Das übergriffe Kind aus unseren Kindergarten, ist in der Grundschule ebenfalls wiederholt übergriffig geworden. Es hat unter anderem einem Kind versucht auf der Schultoilette den Penis in den Po zu stecken. Als ich das erfahren habe, ist mir alle Farbe aus dem Gesicht gewichen und ich konnte es weder greifen noch richtig verarbeiten. Die Grundschule wusste von den sexuellen Übergriffen welche das Kind an unseren Kindern in einem Zeitraum von sage und schreibe 2 ausgeführt hat und dennoch konnte das Kind wieder so massiv übergriffig werden.

Was zeigt, dass wir Eltern und unsere Kinder nicht ernst genommen worden sind!

Die Institutionen haben gegen uns gearbeitet, der Träger sowieso und das pädagogische Personal hat die sexuellen Übergriffe heruntergespielt! Und genau das ist der Grund, warum das Kind an seiner Grundschule wieder massiv sexuell übergriffig werden konnte.

Natürlich werden jetzt alle Maßnahmen getroffen:

  • Wie eine pädagogische Kraft die das Kind beobachtet
  • Therapeutische Maßnahmen
  • Spezielle Abkommen zur Teilnahme an der Klassenfahrt
  • Und das Kind darf in den Pausen nur die Personaltoilette aufsuchen
  • Und so weiter

Das Problem ist bekannt und es wird sich jetzt darum gekümmert, dass alle anderen Kinder geschützt werden. Ganz ehrlich, ich kann es nicht mehr hören und mitanschauen, wie einfach sich Eltern bequatschen lassen und sich mit solchen Aussagen zufriedengeben! Der Schule geht es um den Ruf, sie haben das Problem von Anfang an unterschätzt und werden alles unternehmen zukünftige sexuelle Übergriffe zu vertuschen. Denn sie könnten es sich nicht erlauben öffentlich dazu Stellung zu nehmen, dass es wieder sexuellen Übergriffen gekommen ist.

Es ist ein schieben von Verantwortung, die Grundschule wartet diese Schulzeit ab und dann ist es ein Problem von der weiterführenden Schule. Genau wie der Kindergarten sagen kann, es ist nicht mehr unser Problem.

Doch so einfach ist es nicht, denn wenn man von Anfang an, transparent und vor allem kompetent mit den sexuellen Übergriffen umgegangen wäre, dann hätte man dem Kind 2014 schon helfen können. Dadurch, dass sein Verhalten keine Konsequenzen für ihn hatte/hat, hat er sein Verhalten ausgebaut und geht weiterhin noch perfider vor. Ich weiß das Kind ist ein Kind, aber wenn weiterhin einfach nur weggeschaut und vertuscht wird, dann wird dieses Kind ein gefährlicher Erwachsener, denn kindliches sexuell übergriffiges Verhalten, verwächst sich nicht.

„SEXUELL ÜBERGRIFFIGES VERHALTEN VERWÄCHST SICH NICHT! Fachgerechte Intervention ist immer auch Täterprävention: Denn ein Kind, das deutliche Grenzsetzungen bei sexuell übergriffigem Handeln erlebt, bekommt die Chance, davon abzurücken, weil es keinen Erfolg hatte. Andernfalls besteht die Gefahr, in ein sexuell übergriffiges Verhaltensmuster hineinzuwachsen und dann im Jugend- und Erwachsenenalter strafbare sexuelle Übergriffe zu begehen.“ Quelle: http://www.strohhalm-ev.de/kunde/pdf/1/AJS_Sexuelle_Uebergriffe_unter_Kindern.pdf

Und das Schlimmste daran ist alle schauen zu wie sich das Kind weiterentwickelt. Niemand wagt sich etwas dagegen zu unternehmen.

  1. Es gibt Eltern die der Meinung sind, mein Kind ist nicht in Gefahr, weil es sich wehrt. Völliger Quatsch auch diese Kinder können potenzielle Opfer werden. Kein Kind ist sicher, wenn man wegschaut und hofft.
  2. Andere Eltern haben Angst den ersten Stein zu werfen und den Wellen die dadurch entstehen zuzusehen. Sie sind beruhigt, wenn das Personal versichert jetzt wird alles gut. Mal ganz ehrlich, wie soll es gut werden, wenn man die Situation einfach unterschätzt?
  3. Wieder andere Eltern hoffen einfach, dass andere etwas unternehmen. Halten sich verdeckt, damit sie, wenn nötig die Fahne noch drehen können. Dazu muss ich nichts schreiben, das macht mich krank.
  4. Und das traurigste Glied sind die Eltern, die im selben Kindergarten waren, wissen wozu das Kind fähig ist und wie die Institutionen mit uns umgegangen sind und einfach den Kopf in den Sand stecken. Weil sie ja wissen, dass niemand hilft. Wenn niemand bereit ist sich der Sache anzunehmen, dann wird sich auch nie etwas ändern.

Psychologisch wurde mir das so erklärt: Wir alle sind Menschen und haben unsere Fehler. Ein sehr großer Teil schämt sich, hat Angst sich aufzulehnen, weil sie Angst davor haben in der Öffentlichkeit schlecht dazustehen oder dass ihre Kinder dann darunter leiden müssen. Dann auch noch mit sexuellen Übergriffen in Verbindung gebracht zu werden, macht die Angelegenheit nicht einfacher. Unsicherheit und die Mehrheit machen es oft nicht leicht zu seinen Ansichten zu stehen und zu kämpfen.

Eltern von Opfern werden oft so beeinflusst, dass man ihnen sagt: „Zum Wohl ihres Kindes sollten sie die Angelegenheit nicht an die große Glocke hängen. Schließlich hat er bis zu einem gewissen Teil freiwillig mitgemacht und wenn es öffentlich wird, dann weiß jeder Bescheid. Und sie wollen doch ihr Kind schützen.“ Ganz ehrlich, anstatt dass man den Eltern und dem Kind professionelle Hilfe anbietet und dem Kind klar und deutlich vermittelt, dass es keine Schuld hat und sich für nichts schämen muss, wird hier alles gedeckelt.

Eine klare Strategie wäre einfach:

  • Transparenz eine offene Kommunikation mit allen Eltern
  • Gewaltpräventionsprogramme: Mein Körper gehört mit, das große und das kleine Nein, Ich habe das Recht NEIN zu sagen usw.
  • Elternabende zum Thema sexuelle Übergriffe, Gewalt an Schulen
  • Eine Kindersprechstunde mit einer Vertrauensperson die die Belange der Kinder wirklich ernst nimmt
  • Kooperationen mit ansässigen Vereinen wie Zartbitter, Freio e.V., Strohhalm e.V. Dornenrose usw.

Nein, hier ziehen sich die Institutionen in ihre Komfortzone zurück und hoffen das ganz schnell Gras über die Angelegenheit wächst. Und wenn noch was geschehen sollte, dann einfach reden, deckeln, reden, deckeln usw.

Me too ist im Moment eine starke Bewegung, wenn man Menschen darauf anspricht kommt immer: Finde ich gut, dass sich jetzt Frauen und Männer trauen darüber zu sprechen!

Auch hier hat eine Person den Schritt aus der Komfortzone gewagt und großes bewirkt. Trotz starkem Gegenwind und mächtigen Mühlen. Warum schaffen wir das nicht bei sexuellen Übergriffen und Gewalt an unseren Kindern? Wo doch unsere Kinder das Wichtigste sind was wir haben.

 

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