Kommunikation mit den Institutionen

gemeinsam stark sein

veronika-hoeller Allgemein, Gewaltprävention Kommunikation , , , , , ,

Gesetz dem Fall es kam zu mehrfachen sexuellen Übergriffen unter Kindern auf ihrer Grundschule bzw. In ihrer Kindertagesstätte, dann ist das Wichtigste, zu kommunizieren.  Als Eltern reagiert man sehr oft emotional und vernünftige Kommunikation kommt selten zustande.

Vergessen sie niemals egal wie schwer die Situation für sie auch ist, wenn sie wirklich was erreichen möchten, dann sollten sie vorab klare Ziele und Lösungsvorschläge haben, um diese mit den Institutionen zu kommunizieren. Übereilt in die Büros zu stürmen wird sie nicht weiterbringen.

Atmen sie durch, konzentrieren sie sich auf das Wesentliche und versuchen sie Gleichgesinnte zu finden, welche Sie unterstützen.

  1. Versuchen sie so viele Eltern wie möglich zusammenzutrommeln, außerhalb der Schule bei ihnen zuhause oder in einem Lokal (am Besten in einem geschlossenen Raum).
  2. Legen Sie bei diesem Treffen fest, wer Protokoll führt, dieser schreibt direkt alle Punkte die besprochen werden auf, denn dieses Protokoll wird von allen Eltern auf allen Seiten unterschrieben! (auf allen Seiten, weil es tatsächlich sein kann, dass Protokolle gefälscht werden, wenn es hart auf hart kommt oder dass manche Eltern im Nachhinein behaupten, dass dies alles so nicht besprochen wurde usw. – es dient zu ihrem Schutz!)
  3. Informieren sie die Eltern über die Vorfälle, bereiten sie sich darauf vor, dass viele Eltern Fragen haben.
  • Woher sie die Informationen haben
  • Welche Kinder betroffen sind (hier noch einmal ganz wichtig, das übergriffige Kind sowie die Opfer, haben das Recht auf Datenschutz, auch wenn Sie genau wissen, wer beteiligt ist, wenn die Eltern der Opfer nicht möchten, dass die Namen ihrer Kinder in diesem Rahmen genannt werden, dann halten sie sich daran! Genauso ist es mit dem übergriffigen Kind).
  • Was genau geschehen ist
  • Warum erst jetzt darüber berichtet wird usw.
  1. Wichtig ist behalten sie den Überblick! Fakt ist, wichtig ist nur was geschehen ist, wie sie alle darüber denken und welche Ziele sie haben.
  2. Um ein Ziel zu erreichen müssen verschiedene Maßnahmen eingehalten werden, hier ist es sehr wichtig, dass sie gemeinsam Maßnahmen wie Ziele festlegen.

Maßnahmen:

Sie verlangen von der Schule der Kindertagesstätte:

  • Das diese alle Eltern zukünftig direkt über solche Vorfälle berichtet!
  • Dass die Einrichtungen im Vorfeld ein Präventionskonzept vorlegen, wie sie in diesen Situationen umgehen. Alle müssen mit diesem Konzept einverstanden sein, sie als Eltern und die Einrichtungen.
  • Es müssen Projektwochen zu den Themen: mein Körper gehört mir, NEIN sagen, gute und schlechte Geheimnisse stattfinden. All diese Themen lassen sich wunderbar in den Unterricht integrieren. Lassen sie nicht zu, dass hier Ausreden erfunden werden.
  • Die Opfer sollten besondere Beachtung von ihnen als Eltern als auch von den Pädagogen bekommen, denn diese sind nicht schuld an den Übergriffen und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit.
  • Dem übergriffigen Kind oder den übergriffigen Kindern sollte klar verdeutlicht werden, dass sein/ihr Verhalten nicht angemessen ist/sind und diese Verhaltensweisen nicht an der Schule oder im Kindergarten toleriert werden.
  • Verlangen sie vom pädagogischem Personal, dass zukünftig eine transparente Kommunikation stattfindet.
  • Wenn das übergriffige Kind widerholt zum Täter wird, dann dürfen sie verlangen, dass dieses Kind rund um die Uhr beobachtet wird, wenn es sein muss von einer speziellen Kraft. Vergessen sie nicht, die Einrichtungen haben die Pflicht ihre Kinder zu schützen und wenn diese wissentlich einen Täter bzw. ein übergriffiges Kind schützen, dann verfehlen sie damit klar ihren Schutzauftrag! Und es sind ihre Kinder die mit dem Kind auf Klassenfahrt fahren, an Schulausflügen teilnehmen und in den Pausen dem Kind einfach ausgesetzt sind, da vielleicht zwei Aufsichtspersonen auf 180 Schüler kommen…

Ziele

Schildern sie klar ihr Ziele:

  • Schutz für alle Kinder!
  • Ein Gewaltpräventionskonzept
  • Einen ehrlichen Umgang, transparente Kommunikation, falls es wieder zu Übergriffen oder anderen Gewalttaten kommt.
  • Eine 1 zu 1 Betreuung für das übergriffige Kind, lassen sie sich da nicht auf eine Diskussion ein, dass dies nicht möglich ist, weil, es in die Privatsphäre des übergriffigen Kindes eingreifen würde oder so etwas. Denn die Schule hat in dem Moment versagt, wenn es zu weiteren sexuellen Übergriffen gekommen ist, obwohl die Einrichtung Kenntnis hatte, dass das Kind übergriffiges Verhalten an den Tag legt.
  • Stellen sie klar, dass ihre Kinder ebenfalls unter dem Schutzauftrag fallen und alle Kinder geschützt werden müssen.
  1. Schreiben sie eine anonyme Fallbeschreibung, was geschehen ist und welche Kinder beteiligt sind zum Beispiel übergriffiges Kind = Kind 3 und die anderen Kinder ebenfalls mit Ziffern oder Buchstaben. In den Fallbeschreibungen sollte noch stehen ob die Kinder Spielpartner sind und wie alt die Kinder zum Zeitpunkt des sexuellen Übergriffes waren. Die Broschüre http://webshop.zbitter.ihr-webspace.de/shop/doktorspiele-oder-sexuelle-uebergriffe/ von Zartbitter hat uns dabei geholfen in die Fallbeschreibung genau zu dokumentieren wo der sexuelle Übergriff stattfand.
  2. Bereiten Sie sich klar auf das Gespräch mit dem pädagogischen Personal vor, suchen sie einen Sprecher (gerne auch einen Vater, der seine Gefühle steuern kann), und eine kleine Elternschaft die den Sprecher begleiten. Nehmen sie die Fallbeschreibung mit in das Gespräch, ihre Maßnahmen und ihre Ziele. Halten sie das Gespräch schriftlich fest und lassen sie das Protokoll von allen Anwesenden bei diesem Gespräch unterzeichnen!
  3. Holen sie sich Hilfe bei: Frei e.V., Strohhalm e.V., Dornenrose etc.

Gespräch mit der Schulleitung oder der Kitaleitung

Sie denken jetzt bestimmt, meine Güte was für ein Aufwand und völlig unnötig. Denn schließlich ist ein Unrecht geschehen und das müssen alle sofort einsehen und handeln.

Dem ist leider nicht so, denn seien sie gewiss, das pädagogische Team ist für solche Gespräche gewappnet, sie haben mächtige Unterstützung: das Jugendamt, das Landesjugendamt usw. Hören Sie zu, halten sie dennoch an ihren Maßnahmen und Zielen fest. Ausreden wie: Das Kind wird ja schon 1 zu 1 betreut, können sie nicht durchgehen lassen, denn wenn es so wäre, dann wäre es nicht zu weiteren sexuellen Übergriffen gekommen! Auch das Kind wird betreut, schriftlich bestätigen lassen, oder Ausreden wie es handele sich um normale kindliche sexuelle Neugierde, halten sie an der Broschüre von Zartbitter fest. Denn die Einrichtungen haben sehr viel zu verlieren und werden alles unternehmen, dass ihre Einrichtung weder in der Presse negativ erwähnt werden noch irgendwie anders mit sexuellen Übergriffen in Verbindung gebracht werden. Denn das würde bedeuten, dass sie öffentlich zu den sexuellen Übergriffen Stellung nehmen müssen. Damit eingestehen müssen, dass sie die Kinder nicht schützen konnten und eben nicht ihren Schutzauftrag nachgekommen sind.

Vergessen sie nie, viele Kinder, die in die Grundschule kommen, waren schon in der Kindertagesstätte sexuell übergriffig, die Grundschulen wissen also genau worauf sie sich einlassen und haben dann erst recht Sorge zu tragen, dass es zu keinen weiteren sexuellen Übergriffen kommt.

Kommt es trotzdem dazu ausgeführt von dem Kind von dem die Grundschule Kenntnis hatte, dann haben sie das komplette Recht auf ihrer Seite und die besten Argumente bei den Gesprächen mit der Schulleitung und dem pädagogischen Personal.

  • Wie konnte es zu erneuten sexuellen Übergriffen kommen, trotz, dass sie Bescheid wussten?
  • Wie kann es sein das es eine 1 zu 1 Betreuung gibt, es aber dennoch zu sexuellen Übergriffen gekommen ist?
  • Oder warum gibt es keine 1 zu 1 Betreuung, wo man genau weiß, dass dieses Kind zu massiven, sexuell übergriffigen Verhalten neigt?
  • Warum wurden bereits geschehene Vorkommnisse gedeckelt?

Lassen sie keine Ausreden zu verlangen sie klare Maßnahmen und halten sie an ihren Zielen fest. Legen sie einen zeitlichen Rahmen fest. Es geht um den Schutz ihrer Kinder, das dürfen sie nie vergessen! Denn wenn nichts geschieht, dann wird es immer weitergehen und das nur weil man das Wesentliche aus dem Augen verliert- Den Schutz der Kinder!

 

 

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