Verfangene Situationen

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veronika-hoeller Allgemein, Gewaltprävention Kommunikation, Mein Kind ist Opfer von Gewalt, Mein Kind ist übergriffig , , , , , , ,

Ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen, weil ich mir Gedanken um die vielen E-Mails die ich von Euch bekommen habe, gemacht habe. Grundsätzlich ist ein Problem, dass das Thema sexuelle Übergriffe unter Kindern meistens verharmlost, vertuscht oder runtergespielt werden und dass wir Erwachsenen sehr unterschiedlich darauf reagieren usw.

Beim Thema sexuelle Übergriffe unter Kindern müssen wir uns mit dem Thema kindliche Sexualität auseinandersetzen und das wollen die Meisten nicht. Denn viele von uns Erwachsenen assoziieren mit kindlicher Sexualität Erwachsenensexualität und das ist falsch. Hier eine Grafik, welche die Stadien der sexuellen Entwicklung von Kindern aufzeigt:

Unbenannt

Die kindliche sexuelle Entwicklung ist unabhängig von Kultur, Religion und eignen Bedürfnissen, denn es ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen.

Kinder, die sich mögen und sehr viel Zeit miteinander verbringen, fangen manchmal an den Körper des Anderen sowie den eigenen zu erkunden und zu erforschen. Wenn sich dabei alle wohlfühlen und niemand daran beteiligt ist der wesentlich älter oder zu jung ist, ist alles in Ordnung. Selbstverständlich kann es sein, dass es in diesem Zuge zu einer Grenzverletzung kommen kann, es geschieht eine Handlung, welche das Kind nicht wollte. Es kann sein, dass Sie in solch eine Situation reinplatzen oder Ihnen von solch einer Situation erzählt wird. Wichtig ist, dass Sie zuhören, wurde die Angelegenheit besprochen, wie geht es den Kindern usw.

Eigene Schamgefühle und falsche Interpretationen der Situation sind hier völlig fehl am Platz. Da es den Blick auf das Wesentliche einfach drüben kann.

Aufklärung ist wichtig, sich mit der Thematik auseinandersetzen ebenfalls. Kindliche Sexualität ist nichts heimliches, verwerfliches oder gar unanständiges, es ist ein Teil von der Entwicklung eines jeden Kindes. Eigene Gefühle gehören hier nicht hin – nur der objektive Blick auf das Geschehene.

Ist die Situation geklärt und besprochen, dann sollte man spätestens hier, Regeln für das Doktorspielen aufstellen, das „NEIN“ sagen üben und den Kindern helfen ein gutes Körpergefühl zu bekommen. Im Rahmen von Kindertagesstätten und Grundschulen können Elternabende zur Aufklärung und Projektwochen für die Kinder dabei helfen, Kindern ein gesundes Selbstwertgefühl zu vermitteln.

Gerade wenn es in Grundschulen oder Kindertagesstätten zu sexuellen Übergriffen kommt, ist es wichtig gut aufgeklärt in die Gespräche reinzugehen. Denn wie meine Erfahrung sowie die vielen E-Mails von Euch zeigen, stellen sich die Institutionen nicht dem Problem, sondern kommunizieren drum herum! Sexuelle Übergriffe werden banalisiert als kindliche Sexualität abgestempelt zudem spielen diese Institutionen gerne mit unseren gemischten Gefühlen. Auf einmal wird infrage gestellt, wie wir zur kindlichen Sexualität stehen, dass es besser für die Kinder ist, wenn die Angelegenheit nicht so aufgebauscht wird, dass Ihr Kind ja mit dabei war und vielleicht nicht klar genug Nein gesagt hat usw. Da sind die heftigsten Sachen mit dabei und genau mit den Worten: „Wir wollen ja nur die Kinder und vor allem ihr Kind schützen, wenn wir die Sache nicht so aufbauschen. Stellen Sie sich mal vor das spricht sch herum usw.“ werden Sie ruhig gestellt…

Ist natürlich vollkommener Quatsch! Schutz für Kinder ist ein transparenter, ehrlicher Umgang mit den sexuellen Übergriffen. Eine ehrliche Kommunikation mit allen Eltern sowie eine Aufstellung von Maßnahmen und Zielen, welche dafür Sorgen werden, dass es zu keinen sexuellen Übergriffen mehr an der Schule oder der Kita kommen kann.

Zum Beispiel ein Ziel ist, dass sexuelle Übergriffe nicht mehr geschehen sollen, dann sind Maßnahmen:

  1. Ehrliche Kommunikation mit den Eltern, Kindern und Schülern
  2. Aufklärende Elternabende zum Thema sexuelle Übergriffe unter Kindern
  3. Kurse für Kinder NEIN sagen, gute Geheimnisse schlechte Geheimnisse, mein Körper usw.
  4. Schulungen für das pädagogischen Personal
  5. Ein frühkindliches Sexualkonzept entwickeln
  6. Experten einladen, die zum Thema sexuellen Missbrauch, Täterstrategien, Gewaltprävention usw. referieren.
  7. Wenn ein Kind mehrfach sexuell übergiffig geworden ist, dann muss es die gesamte Zeit beobachtet werden, um die Anderen zu schützen
  8. Das Jugendamt muss eingeschaltet werden
  9. Das Kind muss therapiert werden, denn übergriffiges Verhalten verwächst sich nicht

Das Alles sind kleine Maßnahmen die zu einem Ziel führen können.

Ganz wichtig ist, dass Sie sich nicht bequatschen lassen, denn es geht um Ihre Kinder, diese brauchen Schutz – Schutz funktioniert nur, wenn man sich mit schwierigen Thematiken auseinandersetzt und zusammenarbeitet.

Wenn Ihre Grundschule oder Kindertagesstätte sexuelle Übergriffe banalisiert, dann müssen Sie einschreiten und kämpfen! Denn Ihr Kind könnte das nächste Opfer sein!

Ausreden der Institutionen wie:

  1. Wenn Sie die Angelegenheit breittreten, dann stigmatisieren Sie die Einrichtung sowie die Kinder! Nein, das stimmt einfach nicht. Transparenz hilft dabei, schlimme Erlebnisse zu verarbeiten. Daraus zu lernen und gemeinsam ein Schutzkonzept zu entwickeln! Denn schlimme Sachen können immer und überall geschehen, wichtig ist der Umgang mit den Vorfällen!
  2. Wir haben nichts den Eltern gesagt, weil wir nicht wollten, dass die Angelegenheit so breitgetreten wird und die Kinder darunter leiden.Wenn Kinder Opfer von sexuellen Übergriffen geworden sind, dann leiden diese Kinder. Die Opfer müssen gestärkt und geschützt werden! Ihnen dürfen keine Schuldgefühle eingeredet werden, denn sie haben nichts falsch gemacht – gar nichts!
  3. Ihr Kind hat bei den „Spielen“ mitgemacht, Sie möchten doch nicht, dass das rauskommt. Kindliche Sexualität ist nicht Verwerfliches, dass ein anderes Kind übergriffig wurde, ist es.
  4. Wir müssen das übergriffige Kind schützen! Dem stimme ich zu, dem Kind kann aber nur geholfen werden, indem man ihm klar aufzeigt, dass sein Verhalten nicht richtig ist! Und dem Kind mit anderen therapeutischen Maßnahmen beiseite steht.

Viele von Euch haben auch Angst, dass wenn Sie was sagen oder sich auflehnen, dass Ihr Kind darunter leiden muss! Ganz ehrlich, wenn Ihr so darüber denkt, dann solltet Ihr Euer Kind dieser Einrichtung oder Institution nicht anvertrauen!

Viele Eltern bleiben stumm, weil Sie denken indirekt nicht davon betroffen zu sein. Ihr seit alle betroffen, wenn sexuelle Übergriffe an Ihrer Schule oder im Kindergarten stattfinden! Denn Ihr Kind könnte bereits schon Opfer sein oder das nächste Opfer werden, wenn nicht gehandelt wird.

Viele Eltern gehören zu der ich möchte mich nicht gegen die Schule auflehnen, aber ich möchte auch nicht, dass so etwas an unserer Schule geschieht, Fraktion. Diese sind meistens schon damit zufrieden, wenn die Leitungen Ihnen bestätigen alles im Blick zu haben und alles zu tun, dass es nicht mehr so weit kommt.

Jetzt mal die rosa Fahne aus dem Gesicht – wenn nicht umgehend transparent damit umgegangen wird und direkte Maßnahmen wie:

  • Alle Eltern werden informiert.
  • Alle Kinder werden informiert.
  • Elternabende werden organisiert.
  • Projektwochen für die Kinder organisiert.
  • Und gemeinsam ein Gewaltpräventionskonzept entwickelt

Dann wird einfach nur gedeckelt, Schadensbegrenzung gemacht und gehofft das nichts nach außen dringt.

Aber auch hier möchte ich den Institutionen die rosa Brille runter reißen. Sobald so etwas geschieht, reden Eltern untereinander. Es wird eine kleine Welle aufgebaut, die wegen der schlechten Kommunikation zu einem Hurrikan wird. Nicht jedes Elternteil, lässt sich bequatschen oder klein halten. Kommunikation ehrlich auf Augenhöhe ist das A und O, um brenzlige Situationen zu entschärfen, aufzuarbeiten und vorzubeugen!

 

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