Unsicherheiten

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In der letzten Zeit habe ich viele E-Mails von Müttern erhalten, die eine ähnliche Situation in ihrem Kindergarten haben. Teilweise sind die Situationen schon dermaßen überhitzt, dass es schwer wird, eine friedliche für alle gute Lösung zu finden.

Beim Thema kindliche Sexualität spalten sich die Gemüter. Denn dieses Thema wird gerne einfach totgeschwiegen. Was wirklich schade ist, denn es ist einfach nur natürlich. Wir Erwachsenen sind es, die aus diesem Thema eine so große Sache machen. Kindliche Sexualität hat nichts mit Erwachsenen Sexualität zu tun, auch nichts mit Kultur oder Religion. Kinder erforschen ihren Körper, das beginnt schon im Babyalter und prägt sich immer weiter aus. Dabei empfinden die Kinder keine Lust wie wir Erwachsenen, sondern empfinden das Erforschen als angenehm. Wenn die Kinder älter werden so im Alter von 4 Jahren an, werden sie neugierig auf das andere Geschlecht. Sie möchten, wie es aussieht, wie es funktioniert und haben wie bei allem tausende Fragen. Sie schauen andere Kinder in der Dusche vom Schwimmkurs an oder in der Kita beim Toilettengang.

Manchmal, wenn Kinder sich gut kennen und gern haben, dann kommt es zu den sogenannten Doktorspielen. Die Kinder erforschen die Körper der teilnehmenden Kinder. Wenn es bei Doktorspielen zu Verletzungen kommt, spricht man von Grenzverletzungen. Hier ist es sehr wichtig, dass Sie mit Ihrem Kind und den teilnehmenden Kindern sprechen und klare Regeln aufstellen. Wenn die Grenzverletzung einfach aus Versehen geschehen ist, dann werden die Kinder sich schnell wieder vertragen und die Sache schnell vergessen. Wichtig ist nur, dass Sie den Kindern nicht das Gefühl geben, sie haben etwas falsch gemacht. Klare Regeln aufstellen wie zum Beispiel:

  1. Es werden keine Gegenstände in Mund, Nase, Ohr, Vagina oder Po eingeführt.
  2. Kein Kind wird zum Spielen gezwungen.
  3. Die Unterhosen bleiben an.
  4. Es dürfen keine Erwachsenen/Jugendlichen an den Spielen teilnehmen.
  5. Sowie keine zu kleinen Kindern an den Spielen teilnehmen dürfen.
  6. usw.

Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen!

Laut den vielen Mails der letzten Monate habe ich feststellen müssen, dass Grenzverletzungen sehr häufig in Kitas vorkommen. Wie soll ich schreiben es ist wichtig, als Eltern erst einmal ruhig zu bleiben und sich ein Bild von der Lage zu machen. Wie geht das Personal damit um? Gibt es ein frühkindliches Sexualkonzept? Welche Maßnahmen werden hinzugezogen, damit es zu keiner Grenzverletzung mehr kommt?

Lassen Sie erst mal das Personal arbeiten! Denn so blöd das jetzt Klingen mag, aber es kann immer und überall etwas Geschehen, wichtig ist der Umgang mit der Konfliktsituation. Ich weiß, dass Eltern sehr emotional reagieren, wenn gerade Verletzungen im intim Bereich vorliegen. Es wird sehr schnell hitzig und es kann durchaus zu weiteren Konflikten auch unter der Elternschaft geben. Hier heißt es, alle müssen einen kühlen Kopf bewahren. Wenn es sich tatsächlich um eine Grenzverletzung im Zuge eines Doktorspieles handelt, ist es wichtig das alle Parteien offen und ehrlich miteinander reden und geneinsam an Lösungen arbeiten, damit es zu keiner Grenzverletzung mehr kommen kann. Hier ist es wichtig, dass die betroffenen Eltern miteinander reden, dass das Personal transparent mit dem Thema umgeht und Maßnahmen für die Kinder eingeleitet werden wie:

  • Themenwochen mein Körper gehört mir.
  • Nein sagen lernen.
  • Kinder haben Rechte.
  • Gute Geheimnisse, schlechte Geheimnisse
  • usw.

Das pädagogische Team sollte nach einem Vorfall einen klaren transparenten Leitfaden entwickeln, wie Sie zukünftig die Kinder vor weiteren Vorfällen schützen möchte, wie das Team mit den Eltern kommuniziert und welche Institutionen helfen können. Sollte die Kita noch nicht das Thema frühkindliche Sexualität in ihrem Konzept haben, dann sollte dies nachgearbeitet werden.

Sie als Eltern sollten sich ebenfalls unterhalten und versuchen wieder friedlich miteinander umzugehen, zum Wohle der Kinder.

Wenn es in Ihrer Einrichtung wie bei uns zu wiederholten sexuellen Übergriffen kommen sollte, dann stecken Sie nicht den Kopf in den Sand! Sondern arbeiten Sie als Elternschaft zusammen! Holen Sie sich Hilfe, sei es rechtliche oder von einer Institution, welche sich mit dem Thema beschäftigt! Sie müssen es nicht alleine durchstehen! Zeigen Sie der Einrichtung, dem Jugendamt, dem Träger klar und deutlich, dass es so nicht weitergehen kann und man sich dem Thema annehmen muss.

Lassen Sie sich auf keinen Kuhhandel ein wie, wenn Sie die Schweigepflichterklärung unterschreiben, dann bekommen Sie den Platz in einer Kita ihrer Wahl … Ich weiß viele verzweifelte Eltern haben das bereits getan. Ich halte es für einen Fehler, da es das Problem nicht löst, sondern nur verschiebt. Denn was machen Sie denn, wenn das Kind in der anderen Kita das Gleiche erlebt? Wichtig ist, dass Ihre Kita sich dem Problem annimmt und das geht nun mal nur, wenn man kommuniziert und Druck macht! Wenn es sein muss, erzählen Sie alles der Presse.

Ihre Kinder müssen weder die Einrichtung verlassen noch damit leben, dass es geschehen ist. Das Thema muss aufgearbeitet werden, es muss kommuniziert werden und ich sage es Ihnen gleich, es wird nicht einfach! Aber wenn Sie zusammenhalten, dann können Sie viel erreichen.

Ich habe letzte Woche erfahren, dass unseren alten Eltern in der Kita, welche die schlimmen Übergriffe miterlebt haben ein Schweigeverbot auferlegt worden ist. Unfassbar oder? Zu mir ist keiner gekommen, das hat sich keiner gewagt. Gut so, denn diese Erpressungen oder Auferlegungen gehen überhaupt nicht! Denn die sexuellen Übergriffe sind geschehen, es war pädagogisches Versagen, und auch wenn Teile des Teams ausgetauscht worden sind, ändert das nichts an den vergangenen Vorfällen. Niemand kann Ihnen den Mund verbieten! Unterschreiben Sie nichts, lassen Sie sich nichts verbieten, kämpfen Sie und stehen Sie vor allem hinter Ihrem Kind! Ich weiß, wie viel Kraft es kostet, aber wenn man dieses Problem nicht angeht, dann werden immer mehr Kinder Opfer von sexuellen Übergriffen und die übergriffigen Kinder werden später vielleicht Täter. Es bleibt ein Thema, was uns alle betrifft, auch wenn wir gerne die Augen verschließen möchten.