Strafanzeige und Folgen

viele bunte glückliche kinderhände

Immer öfter, bekomme ich Anfragen über das Kontaktformular, warum wir oder ich keine Strafanzeige gestellt haben. In diesem Artikel möchte ich darauf eingehen, weil eine Strafanzeige, bei diesem brisanten Thema nicht ganz einfach ist. Es gibt mehrere Faktoren, welche man in Betracht ziehen muss, bevor man sexuelle Übergriffe unter Kindern in einer Kindertageseinrichtung den Mühlen der Justiz überlassen sollte.

Nehmen wir unser Beispiel, unsere Kinder waren sexuellen Übergriffen, vorwiegend von einem Kind ausgeführt über zwei Jahre lang ausgesetzt. Natürlich kam uns da der Gedanke, wir müssen Strafanzeige erstellen! Gut bevor man eine Strafanzeige erstellt, lässt man sich immer beraten, das haben wir gemacht und schon kamen die Fragen von unserem Rechtsbeistand:

  1. Haben Sie ein ärztliches Attest, welches Verletzungen Ihres Kindes im Genitalbereich dokumentiert? Beziehungsweise ein schriftliches Gutachten von Ihrem Arzt, dass das Kind im Genitalbereich verletzt ist und diese Verletzungen vom sexuellen Übergriff stammen?
  2. Haben Sie ein Gutachten vom Psychiater, welches klar belegt, dass Ihr Kind unter den Folgen des sexuellen Übergriffes leidet?
  3. Können Sie beweisen, dass das pädagogische Personal nicht gehandelt hat und folgende Tatbestände bestehen:
  • Fahrlässige Körperverletzung
  • unterlassene Hilfeleistung
  • Verletzung der Aufsichtspflicht

Und genau hier wird es schwierig, denn kaum ein Arzt wird Ihnen bestätigen, dass die Verletzungen von einem sexuellen Übergriff kommen. Kaum ein Psychiater wird Ihnen bestätigen, dass Ihr Kind unter den Folgen noch leidet, da Verhalten von Kindern sehr schwer Einschätzbar sind und sich tatsächlich, so blöd es auch klingt verwachsen können.

Und genau hier müssen sich die Strafverfolgungsbehörden, dann komplett auf die Aussagen der Kinder verlassen. Und Aussagen in Deutschland für Kinder ist eine wahre Tortur. Die Kinder müssen immer wieder genausten beschreiben, was geschehen ist. Weichen Sie ab, dann wirken sie als nicht glaubwürdig. Hinzu kommt, dass die Kinder Angst haben, sich schämen und nicht wollen, das geliebte Erzieher/innen Ärger bekommen. Das ständige ausfragen, macht sie durcheinander und sie wissen irgendwann nicht mehr was sie wem sagen sollen. Neben dem kürzliche Erlebten kommen noch Erinnerungen dazu von vergangenen Geschehnissen und schon fügen sich die Puzzle Teile nicht mehr so einfach zusammen. Sie werden müde, möchten das es aufhört, aber sie müssen sich immer weiter und im Laufe der Ermittlungen immer wieder mit dem Thema befassen. Sie werden von der Polizei befragt, der Staatsanwaltschaft, dem Richter den Anwälten der Verteidigung und nach dem Prozess, der meistens noch nicht mal positiv ausfällt, sind die Kinder dann völlig verstört. Hier findet auch schon der Bruch der Elternschaft statt, auch wenn es sagen wir mal 15 Opfer gibt, werden am Ende nur circa 3 Kinder aussagen, denn die anderen Eltern wollen nicht, dass ihr Kind mit sexuellen Übergriffen in Verbindung gebracht werden.

Leider, ist genau das der Grund, warum Einrichtungen, Jugendämter, Träger usw. so ein leichtes Spiel haben, sexuelle Übergriffe unter Kindern zu vertuschen. Denn Sie wissen genau wie Sie arbeiten müssen, damit Eltern zum Schweigen gebracht werden, Vorfälle einfach unter den Tisch gekehrt werden und Sie einfach nur Gras über die Sache wachsen lassen müssen. In den Niederlanden gibt es ein wunderbares System, Kinderpsychologen befragen die Kinder einmal, das Gespräch wird aufgezeichnet und danach wird nur noch die Aufnahme verwendet, dass Kind muss nur einmal Aussagen! Davon ist Deutschland noch lange entfernt und sehr altertümlich.

Sie sehen man müsste wirklich politisch anfangen Änderungen durchzuführen, damit auch bei uns sexueller Missbrauch, sexuelle Übergriffe kein Tabu Thema mehr sind!

Auch wenn Sie keine Strafanzeige stellen, haben Sie die Möglichkeit etwas zu unternehmen, was die Einrichtungen sowie die Träger zwingt zu handeln! Sie müssen das Thema thematisieren, alle Eltern einweihen, zusammenhalten und genaue Forderungen stellen, wie zukünftig mit diesem Thema in der Einrichtung umgegangen werden sollte. Stellen Sie klar, dass Sie ein frühkindliches Sexualkonzept haben möchten sowie ein Gewaltpräventionsleitfaden, welcher transparent und klar erläutert, wie man im Notfall mit diesem Thema umgeht!

  • Alle Eltern sollten informiert werden
  • Alle Kinder geschützt werden
  • Mit den beteiligten Eltern gesprochen werden
  • Mit den Kindern sollte gesprochen werden
  • Themenwochen sollen eingeführt werden, welche die Kinder schützen und stärken
  • Mit den Eltern gemeinsam sollte ein Handlungsleitfaden entworfen werden
  • Die Erzieher/innen sollten immer offen und ehrlich mit allen Eltern reden
  • Schulungen für das Personal zum Thema sexuelle Übergriffe sollten stattfinden
  • usw.

Machen Sie ruhig Druck, wenn es sein muss, schalten Sie die Presse ein oder sprechen Sie mit einem Journalisten, der vielleicht Druck macht, ohne gleich einen sensationellen Artikel zu veröffentlichen. Stellen Sie klar, welche Maßnahmen getroffen werden müssen und halten Sie immer zusammen, umso mehr Eltern fest zusammenhalten umso größeren Druck haben Jugendamt, Träger und das Personal!

Sollten Sie dennoch felsenfest der Meinung sein, eine Strafanzeige ist das Einzige, was hilft, denken Sie daran, dass es eine sehr harte Zeit werden kann! Ihr Kind wird starke Unterstützung brauchen, viel Liebe, Geduld und am besten eine professionelle Begleitung, welche dem Kind durch das Aussagen Wirrwarr retten kann. Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie mit einer breiten Elternschaft starten und am Ende alleine dastehen, es ist einfach so. Versuchen Sie Ihre persönlichen Rachegefühle, nicht vor die Bedürfnisse Ihres Kindes zu stellen, denn in dieser sehr emotionalen Zeit, vergisst man selbst oft das wesentlichste sein Kind! Es gibt so viele Ungerechtigkeiten, aber wir können diese nur gemeinsam bekämpfen und das geht am Besten, wenn wir alle Eltern uns zusammentun und versuchen eine Änderung an den gesetzlichen Bestimmungen vorzunehmen! Denn wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten, dann muss etwas geändert werden.