Täter Strategien oder besser gesagt, wie denkt ein Täter

unbenannt

Ich war letzte Woche auf einem sehr interessanten und vor allem informativen Vortrag. Das Thema war: Wie denken und handeln Täter, zumindest die Tätergruppe, welche am meisten vertreten ist. Denn es gibt immer noch Tätergruppen, deren Verhalten absolut nicht nachvollziehbar sind. Und auch wenn der Gedanke einen zerreißt, man kann seine Kinder nicht vor allem schützen. Aber zurück zum Thema, unser Referent war ein Kriminalhauptkommissar, welcher viele Jahre in den Bereichen:

  • Prävention,
  • Intervention,
  • sexuellen Missbrauch,
  • sexuellen Missbrauch an Kindern

tätig war. So ganz hat ihn das Thema nie losgelassen, darum kann man noch heute seinen Vorträgen lauschen.

Neben erschreckenden Statistiken, war eines seiner Hauptanliegen uns nahezubringen, wie ein Täter denkt. Welchen gruseligen Kreislauf er durchläuft, bevor es zum sexuellen Missbrauch kommt.

  • Ereignis/Auslöser
  • Planung
  • Auswählen
  • Werben
  • Testen
  • Einbinden
  • Missbrauch
  • Schuldzuweisung
  • Schweigepflicht

Jeder einzelne Schritt wurde mit uns besprochen und es wurde noch einmal erwähnt, wie wichtig es ist die Kinder zu selbstbewussten Kindern zu erziehen! Während ich das saß, starrte ich immer mehr diesen Kreislauf an und ich konnte mich von den Gedanken einfach nicht loseisen, dass das Jugendamt, das Landesjugendamt, der Träger, der paritätische sowie die Einrichtung in unserem Fall genauso gehandelt haben wie ein Täter!

Am Anfang stand das Ereignis:

  1. Eltern die dem Personal gemeldet haben, dass es zu sexuellen Übergriffen in der Einrichtung gekommen ist und dass, man erwartet, dass die Einrichtung handelt.
  2. Planung: Es wurde ein Elternabend geplant der die Übergriffe, als harmlose Doktorspiele deklarieren sollte sowie alle Ereignisse, bis dato einfach herunterspielen sollte.
  3. Auswählen: Es wurden nur Eltern zu einem nachträglichen Gespräch eingeladen, welche sich beschwert haben und ihr Kind aus der Einrichtung nehmen wollten.
  4. Werben: Uns wurde Honig ums Maul geschmiert, dass sich alles ändern wird, das Personal geschult wird, die Kinder besser beaufsichtigt werden, das besagte Kind gesondert beobachtet wird, Maßnahmen für die Kinder stattfinden usw.
  5. Testen: Nachdem Gespräch wurde geschaut, ob wieder alle Kinder kommen oder doch so viele abspringen, dass eventuell die Einrichtung schließen muss. Eltern wurde beobachtet und es wurden Grenzen abgesteckt.
  6. Einbinden: Man wurde ständig nach dem Befinden gefragt und nach Ideen sowie, wenn man welche hat nach Materialien.
  7. Missbrauch: Alles war Lüge! Es wurden weder spezielle Programme für die Kinder gemacht, noch das Kind gesondert beobachtet und die sexuellen Übergriffe fanden weiter statt!
  8. Schuldzuweisung: Der Träger, das Jugendamt und Co. gaben dem pädagogischen Personal und uns Eltern die Schuld. Denn wie sollte der Träger, denn wissen was los ist, wenn niemand mit ihm redet? Oder sich vertrauensvoll an das Jugendamt wendet.
  9. Schweigepflicht: Dadurch dass das Personal zu 60 % getauscht worden ist und wir ja keine Kinder stigmatisieren möchten, indem wir das Ganze an die Presse bringen, wurde uns eine Schweigepflicht zum Wohle der Kinder auferlegt.

Sehen Sie, wie ich die Parallelen? Wie pervers und erschreckend das Ganze eigentlich ist? Ich konnte, nachdem Vortrag nicht mehr schlafen, denn wie schlimm ist es, wenn sogar Organisationen denen man sein Kind anvertraut handeln wie Täter, nur um Ihren Ruf, Geld und Kitaplätze zu sichern…