Karma

hand in hand in hand

Eine sehr gute Freundin von mir sagt immer: “ Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie malen gerecht!“ Damit meint sie schlicht, dass alle Taten irgendwann gesühnt werden und ich sicher sein kann, dass auch unsere Ungerechtigkeiten im Kita irgendwann auf alle Beteiligten wirken wird. Aber mal ganz ehrlich? Ist das wirklich so? Holt einem das Karma ein? Denn mittlerweile sind einige Monate vergangen und es hat sich nichts getan! Der Träger macht weiter wie bisher, das frühkindliche sexual Konzept, welches angeblich schon erstellt ist, hat noch keiner zu Gesicht bekommen. Die noch anwesenden Erzieherinnen, wirken unmotiviert und irgendwie hat man immer noch nicht das Vertrauen, dass wenn es zu weiteren Schwierigkeiten kommt, diese sich diesmal richtig verhalten. Kommunikation zwischen Eltern, Träger und Team, haben sich absolut nicht verbessert. Was aber auch an den noch verbleibenden Eltern liegt, welche einfach mit dem alten Thema abgeschlossen haben, und solange es keine akuten neuen Vorfälle gibt, sich mit der Situation abfinden.

Für uns sind die letzten Monate angebrochen, nächstes Jahr steht Schule auf den Plan, ganz ehrlich zum Glück! Dennoch verfolgen mich die Geschehnisse Tag und Nacht. Mein Sohn hat gerade einen einwöchigen Krankenhausaufenthalt hinter sich, da er sich tagsüber in den Schlaf flüchtet. Nachdem alle organischen Ursachen ausgeschlossen werden konnten, kamen wir wieder auf das Thema sexuelle Übergriffe unter Kindern, die Geschehnisse in unserem Kindergarten. Ja und was soll ich schreiben?! Natürlich können diese Einschlafattacken daran liegen, dass er jetzt das Geschehene verarbeitet, sein kleiner Körper flüchtet und er sich dann eine Pause holt. Und schon sind wir wieder mitten im Thema.

Doch was können wir noch machen? Niemand interessiert sich für unsere Kinder, das Täter Kind bzw. das übergriffige Kind, ist jetzt das Opfer an seiner Grundschule. Wir Eltern sind die Bösen und die Einrichtung sowie der Träger machen einfach weiter. Nichts mit Karma oder das die Mühlen langsam mahlen. Denn sexueller Missbrauch ist so ein Tabu Thema, dass Menschen schnell abschalten, umschalten und wegschauen, damit Sie sich bloß nicht mit diesem Thema beschäftigen müssen. Es ist einfacher abzuschalten und einzuschlafen, als sich der Problematik zu stellen und ein Präventionskonzept zu entwickeln, dass man in solchen gravierenden Fällen akkurat handelt. Und alle machen dabei mit, sind leise schauen nach vorne vergessen was war, aber niemand arbeitet an einer Lösung, damit die Zukunft der Kinder und dieser die noch kommen, geschützt sind.

Erwachsene halten sich lieber an den Gedanken fest, es ist jetzt vorbei, mein Kind wird alles vergessen. Schauen wir nach vorne, lassen das Thema einschlafen und dann wird alles gut. Aber genau hier ist der Fehler, denn sexuelle Übergriffe begleiten uns, unser Leben lang! Unter Kindern, Teenagern und Erwachsenen, wir müssen jetzt anfangen unsere Kinder zu stärken und zu schützen! Und das geht nun mal nur, wenn man sich mit der Thematik auseinandersetzt! Sich der Problematik stellt und gemeinsam mit dem Träger, der Einrichtung und weiteren qualifizierten Vereinen, ein Gewaltpräventionskonzept erarbeitet, welches in so einem Notfall direkt greift.

Natürlich sollen in diesem Konzept alle Beteiligten geschützt werden, auch die oder das übergriffige Kind(er), aber nicht wie bei uns, mit vertuschen, schweigen und seine Handlungen als harmlos darstellen, sondern mit hilfreichen pädagogischen und wenn es sein Muss, mit therapeutischen Mitteln. Denn Kinder die so massiv übergriffig werden, kommen aus dieser Spirale alleine nicht raus. Wenn nicht nach der Ursache geforscht wird, kann es sein, dass solche Kinder immer wieder auch im Erwachsenenalter übergriffig werden. Diesen Kindern muss klar und deutlich gezeigt werden, dass ihr Verhalten nicht richtig ist, ihre Persönlichkeit aber vollkommen in Ordnung ist. Wenn man früh genug einschreitet, kann so den Kindern geholfen werden. Gerade dann, wenn die Kinder sexuellen Missbrauch zum Opfer gefallen sind und aus diesem Grund übergriffig geworden sind.

Wichtig ist ein Rahmenkonzept:

  • beobachten
  • Analysieren
  • Sehen
  • Erkennen
  • Handeln

Und dabei immer im Auge haben, wie es weiter gehen soll:

  • Was ist geschehen?
  • Wie viele  Kinder sind beteiligt?
  • Wurde mit allen Kindern einzeln gesprochen?
  • Wurden die Eltern benachrichtigt?
  • Welche Hilfe Maßnahmen kann man anbieten?
  • Sind die Kinder oder wurde das Kind mehrfach übergriffig oder handelt es sich um eine einmalige Situation?
  • Haben wir das Jugendamt verständigt?
  • Welche Anlaufstellen können uns sowie die Eltern beraten?
  • Gibt es Spannungen in der Elternschaft, wenn ja was können wir als Einrichtung unternehmen, diese wieder aus der Welt zu räumen?
  • Wie können wir den Elternbeirat sinnvoll einbeziehen?
  • Was machen wir, wenn sexueller Missbrauch in der Familie vorliegt?
  • Wie gehen wir weiter vor, bei mehrfachen Übergriffen, um die anderen Kinder zu schützen?
  • Ist unser Handlungsleitfaden klar und transparent?
  • Ist unser frühkindliches Sexualkonzept allen Eltern bekannt und für alle Eltern klar verständlich?
  • Brauchen die Mitarbeiter/innen Schulungen, damit Sie sexuelle Übergriffe schneller erkennen und einschätzen können?
  • Welche Institutionen können uns und den Eltern helfen?
  • KOMMUNIKATION sowie AUSEINANDERSETZUNG mit dem Thema sexuelle Übergriffe unter Kindern!

Erst wenn wir erkennen, dass sexueller Missbrauch, sexuelle Übergriffe unter Kindern tatsächlich stattfinden, erst dann können wir handeln! Unsere Kinder schützen, ihnen ein gesundes Körpergefühl und Selbstbewusstsein vermitteln, denn die Problematik ist vorhanden! Nicht nur in Kitas, Grundschulen, Vereinen, sondern ebenfalls später auf Arbeitsstellen, in der Disco usw. Augen zu und durch oder hoffen, dass das Karma die gerechte Strafe bringt, bringt leider gar nichts! Wir müssen alle gemeinsam daran arbeiten, dass wir dieses Thema als Problem erkennen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten und vor allem nicht den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass es nie mehr vorkommt…