Jede Geschichte hat zwei Seiten

Mein Körper gehört mir

Die Ironie des Schicksals, irgendwie konnte ich dieses Wortspiel nie so richtig verstehen, bis jetzt. Wir wissen das jede Geschichte zwei Seiten hat und sehr viele Blickwinkel, je nachdem wie viele Menschen in eine Geschichte involviert sind. In meiner Geschichte geht es um sexuelle Übergriffe in einer Kindertageseinrichtung, welche sich über einen Zeitraum von zwei Jahren abgespielt haben. Die sexuellen Übergriffe trugen sich während der Kindergartenzeit an verschiedenen Orten der Einrichtung zu. Ich möchte jetzt auch nicht näher darauf eingehen jeder, der erst diesen Artikel liest und noch nicht weiß worum es geht, aber Interesse hat, kann sehr gerne weitere Artikel auf meinem Blog lesen.

Zurück zum Thema, das übergriffige Kind, besucht seit diesem Jahr eine Grundschule. Ich habe weder etwas von der Mutter noch von anderen Eltern gehört, wie es dem Kind oder den Eltern geht. Bis letzte Woche, dort erfuhr ich, dass die Eltern in der Grundschule erzählt haben, dass ihr Kind im Kindergarten starke Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hat, sie mit ihm zu einem Kinderpsychologen gegangen sind und dort erfahren haben, dass ihr Kind sexuell missbraucht worden ist, während einer Waldzeit im Kindergarten von einem fremden Mann. Wummm……. ja diese Nachricht hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Ich hörte erstmal in Ruhe zu, denn es kam noch mehr. Das wir Eltern ihr Kind gemobbt haben usw. Und, dass das arme Kind, ja Hilfe braucht und man Verständnis haben muss usw.

Während des Gesprächs hallten immer wieder diese Worte in meinen Kopf, das Kind wurde missbraucht! Für mich war es ein Schlag ins Gesicht, insgeheim haben wir Alle es vermutet, weil diese massiven sexuellen Übergriffe ja eine Ursache haben mussten. Als nächsten hämmerte mir in den Kopf sexuell missbraucht während einer Waldzeit von einem fremden Mann. Wenn diese Aussage stimmt und der Missbrauch tatsächlich im Kindergarten stattgefunden haben sollte, dann müsste dies ja zwischen Dezember 2013 und März 2014 stattgefunden haben. Denn das Kind wurde ja schon zu dieser Zeit mit sexuellen Übergriffen auffällig. Und da stellt sich mir wiederum die Frage, wie kann es sein, dass so etwas Schreckliches überhaupt während der Aufsichtspflicht geschehen konnte, warum hat das pädagogische Personal die Verhaltensänderung nach dem Missbrauch nicht direkt mitbekommen und warum haben die Eltern nicht sofort Alarm geschlagen, nachdem ihr Kind die sexuellen Übergriffe begangen hat. Ich habe selbst mehrfach mit der Mutter gesprochen und ihr mehrfach versucht zu erklären, dass Sie Ursachenforschung betreiben muss, dass dieses Verhalten nichts mit normaler kindlicher Sexualität zu tun hat usw.

Warum haben Jugendamt, Landesjugendamt, pädagogischen Personal nicht erkannt, dass das Kind extrem verhaltensauffällig ist und Hilfe braucht! Wir Eltern haben mehrfach mit allen Organisationen geredet und darauf hingewiesen, dass dieses Kind Hilfe braucht und eine Gefahr für unsere Kinder ist. Aber niemand wollte uns anhören oder hat uns ernst genommen… Und jetzt erfahre ich, dass das Kind sexuell missbraucht worden ist? Und erst jetzt Hilfe bekommt, erst jetzt? Dem Kind hätte schon vor zwei Jahren geholfen werden können… Wenn die Eltern, die Einrichtung, der Träger und die Organisationen uns ernst genommen hätten!

Gut, ich musste erst die eine Nachricht verdauen, dann aber der Vorwurf mit der Einrichtung, dass das Kind während der Kindergartenzeit von einem fremden Mann missbraucht worden ist. Das ist für mich unbegreiflich, ich muss sagen, ich kann und möchte mir das auch nicht vorstellen. Denn das ist ein absoluter Alptraum! Ich musste die Nachricht erst einige Zeit sacken lassen, bis ich mich mit neutralen Menschen unterhalten habe  und da kommt dann wieder eine ganz andere Seite zum Vorschein sowie folgende Fragen und Argumentationen:

  • Bist du dir sicher, dass die Eltern nicht lügen, im Bezug auf wo der Missbrauch stattfand?
  • Denkst du nicht, dass es fast einfacher ist mit der Grundschule und dem Personal offen zu reden, dass ein Missbrauch stattgefunden hat, damit das Kind eine ruhige Grundschulzeit hat und quasi „entschuldigt“ ist?
  • Kannst du dir wirklich nicht vorstellen, dass Eltern alles tun um ihr Kind zu schützen, selbst aus Charme lügen, damit kein weiteres schlechtes Licht auf sie geworfen wird?
  • Denk an Bill Clinton, Christoph Daum und all die vielen Lügen
  • Kannst du dir wirklich vorstellen, dass es im Kindergarten passiert ist und kein anderes Kind es mitbekommen hat, das Kind müsste völlig isoliert worden sein von der Gruppe und gut ein paar Minuten weg gewesen sein.
  • Warum haben die Eltern erst nach zwei Jahren angefangen zu forschen? Die Übergriffe waren schon immer massiv und das Kind verhaltensauffällig.
  • Meinst du nicht, dass es einfacher ist, zu behaupten der Missbrauch ist dort geschehen, weil man so noch einen doppelten Mitleid-Bonus bekommt und nicht weiter auf deine Familie geschaut wird…
  • Warum haben Sie die Einrichtung nicht verklagt? Das, dass Kind nicht aussagen soll, ist in diesem Fall keine Entschuldigung… Denn der Psychiater könnte das übernehmen, wenn er von der Schweigepflicht entbunden ist…
  • Meinst du nicht, Sie dachten, der Ruf der Einrichtung ist eh schon längst ruiniert, dann kommt es auf die Lüge nicht mehr an.
  • Fakt ist, Sie hat endlich zugegeben, dass ihr Kind sexuell missbraucht wurde, egal in welchen Rahmen dies stattgefunden hat.
  • Findest du nicht, dass dieses Thema an die Presse gehen sollte? Damit alle Eltern lernen Einrichtungen nicht einfach blind zu vertrauen?
  • Zieh dir den Schuh nicht an, du hast weder gemobbt noch sonst was getan. Du hast immer versucht zu reden und zu vermitteln.
  • Was sagen den der Träger, die Einrichtung und so weiter zu den Vorwürfen?

Für mich ist es wieder wie das Schwimmen auf Wolken, ich kann mit diesen neuen Informationen einfach nicht schlafen und es kreisen sich wilde Gedanken in meinen Kopf. Vor allem, warum wollte das denn niemand sehen? Wie kann das sein, dass man solche massiven Verhaltensauffälligkeiten einfach vertuschen möchte? Liegt das daran, weil man genau weiß, dass dem Kind was schreckliches passiert ist, und man nicht verantwortlich sein möchte oder war es einfach nur Unwissenheit und Blindheit. Vor allem steht ja ebenfalls die Lüge im Raum, dass wir Eltern die Familie sowie das Kind gemobbt haben. Denn was erwartet man denn, wenn ein Kind so massive Gewalttaten an anderen Kindern ungestraft ausführt, dass die anderen Eltern schweigen? Denn was man nicht vergessen darf, auch wenn man es nicht aussprechen darf, weil es Kinder sind, haben die betroffenen Kinder durch dieses Kind ebenfalls sexuellen Missbrauch erfahren. Man kann Begrifflichkeiten verschönern aber Symptome und Problem die sexuellen Übergriffe verursachen sind denen gleich wie sexueller Missbrauch!  Wir haben geredet, verhandelt und wieder geredet, die Eltern haben auf Stur geschaltet, das Personal die Übergriffe verharmlost, der Träger dem Personal den Rücken gestärkt … Und Jugendamt und Landesjugendamt schön hinter den Organisationen gestanden…

Es ist schrecklich was dem Kind widerfahren ist, wir anderen Eltern haben es leider schon länger vermutet, weil sein Verhalten absolut auffällig war. Aber wir haben es uns nicht getraut auszusprechen, weil wir ansonsten noch wegen Rufmords angeklagt worden wären…. Und jetzt steht diese große Anschuldigung im Raum sexueller Missbrauch während des Kindergartens…

Kann es wirklich sein, dass man lügt, damit sein Kind eine „angenehme“ Grundschulzeit hat und die Lehrerinnen sich schützend bei jeder Kleinigkeit vor das Kind stellen? Denn eines ist sicher, wenn er jetzt nicht behandelt wird, dann wird dieses Erlebnis, dass Kind auffressen… Ist es wirklich einfacher zu behaupten, es geschah dort, damit andere Mitleid haben und sich nicht fragen wie konnte das unter der Aufsicht der Eltern geschehen? Oder ist es wirklich so, dass alle Bescheid wussten, Kind und Eltern Opfer wurden sowie alle Versuche die Vorfälle herunterzuspielen, verharmlosen, vertuschen davon wegführen sollte, dass nachgeforscht wird.

Ich fürchte, man wird es nie erfahren, denn wie eine gute Bekannte von mir schon sagte: “ Meinst du die Familie hat damit gerechnet, dass die Information an dich weiter getragen werden? Die haben bestimmt gedacht, die Lehrerinnen haben Schweigepflicht und dürfen das nicht nach außen tragen.“