Gewaltprävention Konzepte

Kinderhände für eine bessere Zukunft

Ich durfte letzte Woche zur Gast in einem Kindergarten sein, welcher ein wirklich tolles Konzept erarbeitet hat, bezüglich Gewaltprävention. Ich wurde von der Kita Leitung angeschrieben und zu einem Besuch eingeladen. Ein Mitglied ihres Teams, ist auf meinen Blog aufmerksam geworden, im Zuge von Recherche arbeiten zum Thema Grenzverletzungen/ sexuelle Übergriffe. Leider ist diese wunderbare Kita nicht in meinem Bundesland, denn ich würde sofort wechseln und wüsste, das mein Kind einfach sehr gut aufgehoben ist.

Und dabei ist das Konzept weder aufwendig noch eine Wissenschaft für sich, sondern schlicht weg einfach ein Konzept zum Schutz von Kindern. Das Team hat sich mehrere Wochen zusammengesetzt und überlegt, wie man Gewalt in ihrer Einrichtung vorbeugen kann. Das Personal hatte als „Hausaufgabe“ jeder für sich klar aufzuschreiben, ab wann Gewalt oder Grenzverletzungen stattfinden, was sie persönlich als sexuellen Übergriff sehen, was für sie persönlich, kindliche Sexualität ist und wie sie Gewalt präventiv begegnen können. Bewaffnet mit ihren Notizzetteln, haben sie gemeinsam ihre Empfindungen besprochen, aufgeschrieben, Gemeinsamkeiten gesucht und gefunden sowie Scharm abgebaut. Denn nicht jeder redet gerne über Sexualität, auch wenn es sich in diesem Fall um kindliche Sexualität handelt. Ich war beeindruckt vom Gesamtprodukt! Als Erstes hat das Team ein großes Torten-Diagramm geschaffen, mit allen wichtigen Punkten, dann Ideen gesammelt. Eine sehr wichtiger Punkt war die Hinzuziehung der Eltern, denn das Personal hatte sich darauf geeinigt bei Regelbrüchen konsequente Strafen einzuführen. Zum Thema kindliche Sexualität sollten die Eltern ebenfalls hinzugezogen werden, da es hier sehr unterschiedliche Meinungen gibt. Als Erstes fand ein super informativer Elternabend statt, hier wurden die Eltern von einem Experten aufgeklärt. Was ist kindliche Sexualität, wie wichtig ist die kindliche Sexualität, was ist „normal“, was besorgniserregend, wie geht man als Elternteil damit um usw. Nach diesem Elternabend haben sich Eltern und Team auf folgende Regeln geeinigt:

  1. Kein Kind wird von einem oder mehreren Kindern zum Ausziehen verführt oder gezwungen
  2. Die Unterhosen bleiben immer an
  3. Es werden keine Gegenstände in Mund, Ohr, Nase, Vagina oder Po eingeführt
  4. Jedes Kind hat das Recht NEIN zu sagen!
  5. Kinder mit einem Altersunterschied von mehr als 2 Jahren, nehmen nicht am Doktorspiel teil
  6. Alle Kinder sollen sich wohl fühlen, können jederzeit aussteigen und haben das Recht Hilfe zu holen
  7. Hilfe holen ist kein Petzen!

Doch das ist nur ein kleiner Teil des neuen Konzepts, denn schließlich wollten die Erzieherinnen auch der anderen Gewalt präventiv entgegenwirken. Zum einem mit tollen Wochenprogrammen sowie mit anderen tollen Systemen.

Wochenprogramm zum Thema:

  • mein Körper gehört mir
  • Hilfe holen, ist kein Petzen
  • ich habe, das Recht NEIN zu sagen
  • Stopp ich will das nicht!
  • Eigene Grenzen und andere Grenzen respektieren
  • Wie löse ich meine ersten Konflikte

Das bunte Programm soll abwechselnd und das ganze Jahr über mit den Kindern geübt werden. Zudem hat sich das Team entschieden, eine Art Ampel System einzuführen. Bei einem Gewaltverstoß jeglicher Art bekommt das Kind oder die Kinder die gelbe Karte. Die Eltern werden benachrichtigt und es wird darauf  hingewiesen, dass das Kind ermahnt wurde. Sollte das Kind in dieser Woche noch einmal Gewalt ausüben, bekommt es die rote Karte und muss zwei Tage lang zuhause bleiben. Denn als oberstes Gebot gilt, dass Gewalt jeglicher Art keinen Platz in dieser Einrichtung hat!

Die Karten werden zum Anfang der Woche und nach Beendigung der Suspendierung wieder gelöscht. Denn wenn das Thema kommuniziert worden ist und die Kinder sich entschuldigt haben, dann ist die Angelegenheit vergessen.

Bei sexuellen Übergriffen, werden die Eltern aller Beteiligten Kinder umgehend informiert. Auch hier greift erstmal das Ampelsystem, weil es sich um eine Gewalttat handelt. Sollte das Kind oder die Kinder wiederholt Übergriffe an Kindern verüben, werden die Eltern informiert, das Jugendamt verständigt und mit den Eltern gemeinsam Therapiemaßnahmen herausgesucht. Sollte sich das Verhalten dann immer noch nicht ändern, muss das Kind die Einrichtung zum Schutz der anderen Kinder umgehend verlassen! Alle Eltern haben diese Vereinbarung unterschrieben. Natürlich wurde gemeckert, weil die ein oder andere Mutter das System als beschämend für die Kinder angesehen hat, welche die Gewalttaten ausführen. Aber andere Mütter haben mit der Argumentation, dass man die anderen Kinder schützen muss, und das Kind sich vorher ja bewusst ist, dass die Regeln gebrochen wurden, diese Mütter schnell dazu gebracht ebenfalls zu unterschreiben. Denn eines sollte immer gewährleistet sein: Opferschutz vor Täterschutz!

Ich war wirklich sehr begeistert und habe mich sehr gefreut, dass ich Einblicke in die Konzeption bekommen habe und gefragt worden bin was ich davon halte oder was ich verbessern würde 🙂 Für mich persönlich war dieser Besuch eine wahre Wohltat, denn ich habe gesehen es geht auch anders. Und wenn alle gemeinsam zusammenarbeiten Kinder, Personal, Träger, Jugendamt und und und, dann können wir es gemeinsam schaffen, dass unsere Kinder lernen Konflikte, ohne Gewalt zu lösen! Sich Hilfe zu holen, wenn sie es brauchen! NEIN zu sagen und vor allem selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Schön das es noch solche Menschen gibt, denen Geld und Ruf, nicht ganz so wichtig sind wie das Wohl der Kinder. Und die gelernt haben mit vergangenen Fehlern wirklich konstruktiv umzugehen, sich nicht hinter Halbwahrheiten sowie Lügen verstecken und ein brillantes Konzept entwickelt haben.