Man sieht nur das, was man sehen möchte

 

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Das Thema verschiedene Sichtweisen habe ich ja bereits in einem Artikel zusammengefasst. Dennoch bin ich immer wieder fasziniert, wie verschieden die Blickwinkel auf eine Situation sein können. Klar kenne ich den Film 8 Blickwinkel und weiß, dass sich bestimmt schon jeder von uns, sich mit dieser Thematik schon einmal auseinandergesetzt hat.

Es gibt immer die eigene Sicht, dann die Sicht des mit Betroffenen und die Sicht des Außenstehenden sowie die altkluge Weisheit, es kann immer noch schlimmer kommen! Ich war immer ein Mensch, der an das Gute in jedem Menschen geglaubt hat, klar hat man auch eine schlechte Seite, aber im Grunde, gerade wenn es nicht um einen selber geht, sondern um Kinder, da sollte man immer einen guten, gesunden Kern haben.  Denn in meinen Augen sind es die wichtigsten Menschen in unseren Leben, welche man mit Liebe, Geduld und viel Aufmerksamkeit großziehen sollte. Kinder schauen sich sehr viel von ihren Eltern, Geschwistern, anderen Kindern ab und lernen so Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen.  Sie lernen am Anfang unsere Werte, Ziele und Vorgaben, bis sie im Teenageralter dann ihre eigenen Werte, Ziele und Charaktereigenschafen bilden und festigen.

Nun ist es aber so, dass nach meiner Erfahrung viele Erwachsene sich erstens viel kindischer verhalten als ihr Nachwuchs und zweitens viel mehr von ihren Kindern erwarten, als sie selbst bereit sind einzusetzen. In unserem sehr brisanten Fall gibt und gab es sehr viele verschiedene Blickwinkel und vor allem aus Aussagen. Dennoch wurde diese von fast niemanden wirklich hinterfragt, weil die Menschen sich leicht manipulieren lassen, ein fremder Blickwinkel angehört von einer oder mehreren Personen, kann dafür sorgen, dass man seine Sichtweise verändert oder gar hinterfragt.  Im Laufe der letzten Jahre habe ich viele meiner Sichtweisen sowie die Sichtweisen anderer Personen massiv hinterfragt, und bin dabei zu einem Entschluss gekommen, niemand lässt sich gerne kritisieren und niemand mag es, wenn man seine Fachkompetenzen anzweifelt.

Wobei wir wieder bei dem großen Problem sind, dass der Mensch dazu neigt, an sich zu denken, Sachen persönlich zu nehmen und dabei vielleicht vergisst, dass es Situationen gibt, bei denen einfach Dritte durch Handeln, zu Schaden kommen.

Ich habe mit den letzten Gesprächen welche ich mit dem der Geschäftsleitung des Trägers, dem Jugendamt, den Eltern usw. geführt habe noch einmal genau durch den Kopf gehen lassen. Und musste wieder einmal feststellen, dass erwachsene Personen, in schweren Situationen patzig werden können wie kleine Kinder 🙂

Zum Beispiel Aussagen Träger:

  • Wenn ich nicht informiert werde, dann kann ich auch nicht handeln! Der Träger war doch bereits seit Oktober 2015 informiert, was in der Einrichtung bis dato geschehen war, und hat sich dennoch entschieden, das Kind in der Einrichtung zu lassen und hinter dem pädagogischen Personal zu stehen.
  • Das Team hat nach Oktober 2015, nicht alle Informationen an uns weitergegeben! Sollte man nicht als Träger, nachdem solche schlimmen Dinge geschehen sind, nicht selber hinter her sein, dass alles wieder läuft? Gerade, weil man den Eltern eine sichere Kita versprochen hat …
  • Ihr Kind ist nicht von den sexuellen Übergriffen betroffen, das sieht man anhand der Dokumentationen des pädagogischen Personals. Ach so, ja klar … Erstens sind alle betroffen, wenn so etwas in einer Einrichtung geschieht. Zweitens, komisch das Personal hat nicht alle Infos weitergeleitet, schon einmal daran gedacht, dass das Personal auch nicht alles dokumentiert hat?
  • Uns geht es nur um das Wohl der Kinder! Natürlich, darum durfte das Kind auch in der Einrichtung bleiben und weiter an „beobachteten Doktorspielen“ teilnehmen, welche wieder zu sexuellen Übergriffen geführt haben. Nach den Vorfällen 2015 hätte man sich schulen müssen, Doktorspiele erst mal; bis ein ordentliches Sexualkonzept steht, verbieten müssen und dem Kind sehr deutlich machen müssen, dass sein Verhalten nicht richtig ist.  Es war grob fahrlässig die Kinder weiter machen zu lassen, nachdem was geschehen ist. Und dann zu sagen, ich wusste nicht, dass die Regeln gelockert worden sind, ich hätte das verboten … Ist irgendwie lächerlich, denn wie schon erwähnt jeder Kinderpsychologe, Kinderarzt und die meisten Pädagogen, die ich kenne (und das sind jede Menge), verstehen gar nicht, wie man die Entscheidung treffen konnte, die Kinder einfach weiter machen zu lassen. Ohne Konzept, ohne Schulungen, ohne Vertrauen der Eltern, ohne dass, das Kind wirklich beobachtet wird …
  • Die Eltern schaden den Kindern, wenn Sie an die Presse gehen oder Bücher schreiben … Naja, die Presse hat den Ball ins Rollen gebracht und das Buch soll Menschen helfen, welche in ähnlichen Situationen stecken und auf solch eine Ignoranz stoßen.

Aussagen ehemalige Leitung:

  • Wir müssen als Team schauen, wie wir mit der Situation umgehen! Jaja schon klar, aber wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, dann sollte man doch schauen wie man das im Team und gemeinsam mit den ELTERN gemeistert bekommt …
  • Ich muss erst mal klären, wie die Situationen zustande gekommen sind usw.! Stimmt, eine Klärung des Sachverhaltes ist immer wichtig und richtig, aber auch hier sollte man die Eltern und alle Kinder anhören, um ein Gesamtbild zu bekommen.
  • Wir haben vorher angekündigt, dass wir die Regel nach einiger Zeit wieder lockern das stimmt schon, aber wir Eltern hatten klar kommuniziert, dass wir Angst davor haben und die Bedenken geäußert, dass wir Angst vor weiteren Übergriffen haben.
  • Ich war nicht über alles informiert … Naja, auch hier wieder die Standardausrede, wenn man nicht fragt, wird man auch nicht informiert, wenn man wegschaut, kann man nicht alles sehen …
  • Das Kind wir beobachtet! Genau, das Kind wird beobachtet, aber wie konnte es dann sein, dass es nach Oktober 2015 zu weiteren sexuellen Übergriffen durch dieses Kind kam? Wie kann man beobachten aber die Grenzverletzungen nicht mitbekommen?
  • Eltern mischen sich massiv ein, das sollte in Einzelgesprächen geklärt werden … Natürlich mischen wir uns ein, denn der Schutzbefehl sollte allen Kindern gelten und nicht nur dem Kind, das die Übergriffe ausführt!
  • Was können wir unternehmen, dass sich dein Kind wieder wohl bei uns fühlt? Vielleicht ihm zeigen, dass ihr für ihn da seid, dass ihr ihn schützt, ihm glaubt und vor allem ernst nehmt. Und nicht nur reden, damit man besänftigt ist.

Aussagen Eltern:

  • Ich schalte die Presse ein, so geht das nicht! Ist ein Synonym für, schalt du die Presse ein, damit was getan wird, ich aber fein raus bin, wenn es dann doch nicht zum gewünschten Ergebnis führt.
  • Ich breche eine Lanze für das pädagogische Personal, welches trotz der schwierigen Situation, seine Arbeit noch mit Liebe verrichtet. Synonym für, mein Kind ist bald raus aus der Kita, und ich möchte nicht, dass jemand erfährt, dass ich es war, welche eine Mutter angestiftet und massivsten überredet habe, die Presse einzuschalten. Ich bediene nämlich beide Seiten! Jup… Manche Erwachsene sind kindischer als Kinder …
  • Ja, was machen wir denn, wenn die Einrichtung schließt? Synonym für, wenn wir die Klappe zu weit aufreißen, dann haben wir keine Betreuung für unsere Kinder. Ganz ehrlich? Möchte man sein Kind dem aussetzen? Ist es tatsächlich die bessere Alternative als, wenn das Jugendamt nach der Schließung verpflichtet ist, einen neuen Platz für die Kinder zu finden?
  • Ich finde gut, dass ihr was sagt und kämpft! Synonym für: Ich bin mal lieber still, weil wenn sie nichts erreichen, dann habe ich keinen Ärger …
  • Lass mal Gras über die Sache wachsen … Synonym für, ich habe keine Lust mehr mich mit dieser Sache zu beschäftigen, weil es mein Leben einschränkt. Ich melde mich erst wieder, wenn noch mal was passiert. Ganz schlau, weil man so nicht präventiv arbeiten kann!
  • Also mein Kind ist absolut nicht betroffen und es geht ihm gut, gut es macht ab und zu in die Hose, hatte Bauchschmerzen, eine Blasenentzündung und wollte nicht in die Kita gehen, aber ansonsten ist mein Kind gesund und glücklich. Synonym für: Ich möchte die Anzeichen nicht sehen, weil wenn ich die Anzeichen wahrnehme, ich mich damit beschäftigen muss. Und was heißt das im Klartext? Ich habe Angst, dass wenn ich die Anzeichen deute, ich einen neuen Platz für mein Kind suchen muss, mich mit dem Schmerz meines Kindes auseinandersetzen muss und privat so viel Umstellen muss. Wieder mal nur eines im Kopf sich selbst.
  • Du weißt schon, dass es noch gut zwei Generationen dauern wird, bis der Ruf wieder hergestellt ist in der Einrichtung. Synonym für: Alle Eltern sind bis dahin raus, die die Vorfälle mitbekommen haben. Aber mal ganz ehrlich, was können wir denn dafür, dass die Einrichtung jetzt einen schlechten Ruf hat? Wir haben unsere Kinder geschützt und haben dafür gesorgt, dass die Vorfälle thematisiert wurden. Wir sind nicht verantwortlich, dass es zu sexuellen Übergriffen in einem Zeitraum von zwei Jahren kam. Darum sind wir auch nicht daran schuld, dass die Einrichtung einen schlechten Ruf hat.
  • Ich finde es schön, dass ein Teil des Personals noch in der Einrichtung arbeitet! Klar, schön zu wissen, dass wieder falsche Versprechungen gemacht worden sind. Dass wir als Eltern betroffener Kinder, damit leben müssen, dem Personal wieder einmal Vertrauen zu schenken, welches nicht da war, als unsere Kinder in Notsituationen gekommen sind. Klar freuen sich die Kinder, weil sie die Erzieherinnen kennen. Aber ein gesundes Vertrauensverhältnis kann so nicht aufgebaut werden.
  • Super, das es ein neues Konzept geben wird! Komisch nur, dass wir es noch nicht zur Gesicht bekommen haben, denn schließlich ist gerade das Präventions- bzw. Sexual Konzept nach diesen Vorfällen wichtig.

Ich könnte noch endlos weitermachen, aber ich bin schon wieder weit über die tausend Wörter hinaus 🙂 Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand, wehren Sie sich seien Sie stark, zeigen Sie Ihrem Kind, dass es immer auf Sie zählen kann. Dass es Hilfe bekommt, wenn es diese benötigt! Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es wieder Gründe gibt zu lachen, zu leben, sich wohl und sicher zu fühlen. Geben Sie nicht auf, auch wenn Sie so machen blöden, unqualifizierten Kommentar bekommen! Denn wenn Sie nachts ruhig schlafen können und in den Spiegel schauen können, dann sind Sie das beste Vorbild für Ihr Kind.

Und alle Personen, welche nur an sich, ihre Arbeit und die Kritik kennen. Haben nicht erkannt, dass es in diesem brisanten Fall nicht um sich selbst, Geld, Ruf usw. geht, sondern einfach um Kinder. Kinder die ein Recht auf eine glückliche Kindheit und einen sicheren Kitaplatz haben! Und auch wenn Sie am Ende alleine kämpfen und gegen den Strom schwimmen, fangen Sie Menschen auf, welche im Strom gnadenlos untergehen würden!