Irgendwie Anders

Schutzpanzer Veronika Höller

Neben vielen positiven Zuschriften bekomme ich auch hin und wieder mal Zuschriften, die meine Art mit den Geschehnissen umzugehen kritisieren, sowie hinterfragen. Und heute möchte ich auf eine E-Mail eingehen, welche mich kürzlich erreicht hat, hier fragte mich Sandra M. “Warum ich nicht endlich Gras über die Sache wachsen lassen könnte und einfach Ruhe geben könnte?“ Sie schrieb in Ihrer Mail, dass es auch für mich besser wäre, abzuschließen und das Thema ruhen zu lassen. Leider hat Sie nicht erkannt, worum es mir wirklich geht. Natürlich hat Sie recht, man sollte einen Cut machen und neu beginnen, damit die Kinder eine Chance haben sich wieder unbeschwert zu bewegen. Da gebe ich Ihr völlig Recht! Aber für mich sieht der Cut so aus, dass ich ihn wieder in den Kindergarten bringe, dem neuen Personal eine Chance gebe zu wachsen. Die Kinder sind jetzt in der Schule, welche den großen Schaden angerichtet haben. Mein Kind hat das sofort bemerkt und geht jetzt total gerne hin. So wie meinem Kind, geht es auch anderen Kindern, welche vorher nicht gerne gegangen sind. Die Kita hat mit dem neuen Personal und den neuen Kindern, eine wirkliche Chance „Neu“ zu beginnen.

Dass ich weiter schreibe und auf das Thema aufmerksam mache, liegt vor allem daran, dass ich möchte, dass man an der Problematik arbeitet. Alle Einrichtungen, egal wo, die noch kein frühkindliches Sexualkonzept haben, sollten dieses Thema in der Konzeption aufnehmen. Neben der frühkindlichen Sexualität sollten auch die Präventionsmaßnahmen klar geschildert werden, damit wenn es in einer Einrichtung zu Grenzverletzungen kommt, direkt professionell damit umgegangen werden kann. Es sollte kein Tabuthema mehr sein, bei der jede pädagogische Kraft nach eigenem Denken, Schamgefühl und Empfinden handelt, sondern ein klarer Blick auf die Situation geworfen werden.

  • Sehen
  • Erkennen
  • Handeln
  • Reden
  • Dokumentieren
  • Weiterarbeit definieren.

Und damit man in diesen brenzligen Situationen nichts falsch läuft, sollten die Kräfte gut geschult sein. Das Team sollte sich mit der Thematik auseinandersetzen.

  1. Wie steht jeder Einzelne zur kindlichen Sexualität?
  2. Was ist kindliche Sexualität?
  3. Wo sind die eigenen Schamgrenzen?
  4. Wie gehe ich mit einer Grenzverletzung richtig um?
  5. Brauchen wir als Team Unterstützung?
  6. Wenn, ja wer könnte, uns schulen?
  7. Wie steht das Team zu einem frühkindlichen Sexualkonzept?
  8. Welche Punkte sollten darin festgehalten werden?
  9. Wie reagieren wir auf Grenzverletzungen?
  10. Welche Regeln besprechen wir mit den Kindern?
  11. Welche Maßnahmen erarbeiten wir mit den Kindern präventiv?
  12. Wie beziehen wir die Eltern in das Konzept mit ein?

Meines Erachtens sollten, alle Einrichtungen, welche es noch nicht gemacht haben, sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen. Denn nur wenn man sich dieser Thematik wirklich annimmt, kann man im Ernstfall professionell reagieren zum Schutze aller Kinder!

Liebe Sandra M., in deiner Mail schreibst du, dass ich irgendwie anders bin, da gebe ich dir recht! Ich bin stolz darauf irgendwie anders zu sein! Denn ich wurde so erzogen, dass mit dem Strom zu schwimmen zwar immer der einfachste Weg ist, oftmals aber der Falsche, weil genau in diesem Strom viele Schwimmer versinken und verschwinden. Auch wenn es anstrengend, mühsam und viel Kraft kostet, bin ich gerne bereit gegen den Strom zu schwimmen, damit ich den einen oder anderen Schwimmer vor dem Versinken retten kann! Denn diese irgendwie anders Menschen, muss es ja auch geben, ansonsten haben die mit dem Strom Schwimmer ja niemanden mehr über den Sie reden können. Mit diesen Worten wünsche ich euch ein schönes, sonniges Wochenende!