Verschiedene Sichtweisen  

fröhliche kinder

Ihr kennt das bestimmt,  man berichtet über ein  Erlebnis, und je nachdem wem man es erzählt,  bekommt man sehr viele, verschiedene Sichtweisen.

Als ich meinen Freundinnen und Bekannten erzählt habe, dass es im Kindergarten meines Kindes zu massiven, sexuellen Übergriffen gekommen ist, da waren diese bestürzt, sauer und konnten es einfach nicht fassen. Klar kann immer etwas geschehen, aber bei uns sieht der Fall ja anders aus, denn das übergriffige Kind, war den Erzieherinnen und Erziehern bereits bekannt, und schon nach den ersten Vorfällen wurde uns versichert, dass das Kind genausten beobachtet wird, sowie die Eltern (des übergriffigen Kindes) sich Hilfe geholt haben.

Schon hier kam es zu Spaltungen von Sichtweisen, die Eine wollte, dass ich mein Kind direkt aus der Kita nehme, Andere das wir zur Presse gehen, wieder Andere, dass wir einfach mehr Geduld haben sollten, da es sich um ein Kind handelt, welches die Übergriffe ausführt. Wir entschieden uns dafür, dass wir dem Team vertrauen und vertrauten auch auf die Eltern des übergriffigen Kindes, denn schließlich hatte ich auch mit diesen, genauer gesagt mit der Mutter mehrfach gesprochen.

Meine eigene Sichtweise gab es zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich! Mein Kopf, war einfach voll von Widersprüchen, zum einem war ich froh, dass mein Sohn endlich einen guten Kitaplatz gefunden und sich eingelebt hatte, zum anderen mochte ich das Team. Nachdem dann im Oktober 2015 weitere sexuelle Übergriffe bekannt wurden, war ich der Meinung, dass die Ämter uns helfen müssen! Schließlich waren hier Kinder in Gefahr! Denn wenn man nach allem Reden und falschen Versprechungen immer noch nicht die Lage im Griff hat, dann muss von außen geholfen werden. Hier waren die Blickwinkel völlig anders …

Der Träger: War empört, dass wir Eltern so einen Aufstand machen, wegen Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen. Schließlich würde man als Träger ja dem Personal Schulungen bewilligen und  man hat nicht die Zeit, eine Meute Eltern, die sich wieder mal grundlos aufregen, anzuhören.

Jugendamt:  Problematisch alles, aber kein Thema, welches nicht vom Tisch kommt, wenn man Verständnis vorheuchelt und die Eltern einfach bequatscht. Denn es stehen 30 Kitaplätze im Raum, welche bei einer Eskalation schließlich in überfüllte Kitas untergebracht werden müssten. Ganz zu Schweigen von Ruf, Geld und weiteren Auswirkungen, die solche Vorwürfe haben könnten.

Eltern direkt betroffener Kinder:  Wollen Ergebnisse, fühlen sich hintergangen und möchten, dass  ihre Kinder angehört werden, dass sie Ernst genommen werden sowie endlich gehandelt wird.

Solidarische Eltern: Haben Angst, dass ihren Kindern das Gleiche geschehen könnte, und wollen das sich, was ändert, damit die Kinder wieder in Ruhe in die Kita können. Sie kommunizieren und versuchen im Gegenzug auch zu vermitteln, da Ihnen die Konsequenzen, welche diese Ereignisse mit sich bringen könnten, völlig klar sind.

Die restlichen Eltern: Diese halten sich einfach raus, möchten das Thema nicht an die große Glocke hängen. Verstehen, nicht warum die anderen Eltern so einen Aufstand machen, haben Angst, dass die Einrichtung schließen muss usw. Sie haben Angst, dass Sie den Kitaplatz verlieren, Ihr Kind, wenn Sie reden, schlecht behandelt wird, alle Kinder einen „schlechten“ Ruf bekommen, wenn die sexuellen Übergriffe in den Medien erwähnt werden usw. Ängste, die ich nicht nachvollziehen kann!

Ich habe in den vergangenen Monaten, versucht alle Blickwinkel zu verstehen und zu hinterfragen. Was mir natürlich schwergefallen ist, da es für mich hier nur Schwarz oder Weiß gibt! Ein sehr guter Freund hat mir geraten, die Sachen die vorgefallen sind aufzuschreiben, einmal die Übergriffe, dann die Maßnahmen der anderen Seite und  dann wie ein kleines Diagramm auszuwerten, was wir erreicht haben. Denn laut seiner Sichtweise haben wir mehr geschafft als manch eine andere Elternschaft, die gegen sexuelle Übergriffe vorgegangen ist. Traurig! In meinen Augen, aber das ist mein Blog und ich kann mich einfach mal auskotzen.

Gut, ich habe mich also hingesetzt und aufgeschrieben so ungefähr, was geschehen ist.

2014

  • Vaginale Verletzungen eines Kindes
  • Vaginale Rötungen eines anderen Kindes
  • Ein Kind fällt Zuhause mit seiner vulgärer Sprache auf
  • Ein neues Spiel in der Kita namens „Sexy“ hält Einzug

Januar – Juli 2015

  • Es wird bekannt, dass ein Kind bedroht, erpresst und genötigt wurde, über mehrere Monate, sich nackt zu machen, sich einen Stock einführen zu lassen usw.
  • Es wird bekannt, dass weitere Kinder an diesen Spielen beteiligt sind
  • Ein neues Spiel hält Einzug in der Kita „Du bist nicht mehr mein Freund”.

August – Oktober 2015

  • Im August hält das Spiel „Sexy“ wieder Einzug in der Kita
  • Es kommt raus, dass es wieder zu Stockeinführungen kam
  • Gewalt, Erpressung, Nötigung
  • Zungenküssen
  • Pippi trinken
  • Penis küssen
  • Scheiden rubbeln

Wir entschlossen uns, als Elternschaft dagegen vorzugehen. Das Jugendamt, der Träger, der paritätische sowie das Personal, stellen sich erst komplett gegen uns Eltern. Und geben erst nach, nachdem wir als Eltern, Vereine hinzugezogen haben, welche sich wirklich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Neben mehrfachen Gesprächen, vielen Protokollen und recherchieren in jegliche Richtung kommen Zugeständnisse vom Träger und dem Personal:

Dezember –  Mai 2016

  • Es wird zugegeben, dass es zu sexuellen Übergriffen gekommen ist
  • Das Problem jetzt erkannt worden ist und gehandelt wird
  • Das Kind beobachtet wird und Hilfe bekommt
  • Das Team geschult wird
  • Mit den Kindern gearbeitet wird usw.

Hier wurde mit uns gemeinsam ein neuer Weg besprochen, es wurde versichert, dass das Kind Hilfe bekommt, dass das Team eingesehen hat, dass es sich hierbei um ein Problem handelt, das Personal geschult wird, mit den Kindern gearbeitet wird, es jetzt zu einer transparenten Kommunikation kommt, zwischen Eltern und Einrichtung.

Januar – Mai 2016

  • Mittlerweile sind mehrere Kinder übergriffig
  • Es kam zu weiteren Scheiden rubbeln
  • Penis Küssen
  • Penis anfassen
  • Drohungen, Gewalt und Erpressungen
  • Zungenküssen
  • Verfolgungen auf die Toilette

Hm … schon beim Aufschreiben steigt mir die Galle hoch …

Gegen Reaktion der Eltern:

  • Die Presse wurde eingeschaltet
  • Ein neuer Fallbericht wurde verfasst
  • Kinder wurden aus der Kita raus gelassen bis zu Klärung

Reaktion der anderen Seite, auf einmal kommt ein Anruf von der Presse und das Kind ist aus der Kita draußen! Die Leitung, Stellvertretung sowie das männliche Personal 2 Personen werden versetzt.

Auf einmal wird das Personal getauscht, eine neue Leitung, ein neues Konzept und das Kind (angeblich von den eigenen Eltern raus genommen) ist endlich raus. Und das nur, weil sich ein Journalist der Sache annimmt?

Nein, natürlich nicht! Denn laut Stadt hätten sich jetzt natürlich eingesetzt … Sie haben die  Liste oben gelesen? Erst jetzt wäre etwas unternommen worden.  Dass die Presse eingeschaltet wurde, hat nichts aber auch gar nichts damit zu tun! Und das diese eingeschaltet worden ist, ist natürlich schlimm nicht für die Einrichtung, dem Träger oder die Stadt, nein, sondern für die Kinder, natürlich … Die Armen sind jetzt stigmatisiert! Ist natürlich schlimmer als traumatisiert und wir Eltern haben ihnen damit geschadet, natürlich, sexuelle Übergriffe sind keine Sache, aber die Sache ans Licht bringen, schadet natürlich unseren Kindern.

Boah, Sie sehen, ich bin einfach nur sauer … Und das Beste ist, der Träger schiebt alles auf sein Personal und die Eltern, warum haben wir uns denn nicht vertrauenswürdig an den Träger gewannt? Dem Träger, der uns hat links liegen lassen, der unsere Kinder nicht angehört hat, dem es lästig war, uns zuzuhören? Schon komisch eigentlich, dass wir da nicht angerufen haben oder?

Noch heute ist die Sichtweise des Trägers, dass dieser nicht handeln kann, wenn dieser nicht alle Infos bekommt. Dazu muss ich sagen, dem Träger waren die Geschehnisse von 2014-2015 bekannt! So viel zu dem Thema ich kann nicht handeln, wenn ich nichts weiß! Der Träger wollte, dass das Kind in der Einrichtung bleibt, obwohl dieses Kind mehreren Kindern erhebliche Schäden zugeführt hat, körperlich wie seelisch, weil sie kein Kind ausschließen!

Aber ein Kind, welches die Erzieher geschlagen hat, wurde angeraten eine andere Einrichtung zu besuchen … schon eigenartig … Aber ab hier komme ich wieder zu meinen Sichtweisen zurück, denn wenn man nicht selbst erlebt hat, wie sein Kind nachts weint, Albträume hat, Angst hat und sich einnässt und kotet, dann vergisst man anscheinend die Schwere der Taten, welche sich hier in einem Zeitraum von  zwei Jahren abgespielt haben!

Komischerweise sieht man nur sich, die Einrichtung, das Personal und den finanziellen Schaden, den diese unangenehme Sache so mit sich ziehen kann.

An diesem Punkt frage ich mich, wo stehen die Kinder? Sind nicht die Kinder das Wichtigste? Das Wohl der Kinder, die gesunde Kindheit usw.? Anscheinend nicht, denn schaden tut den Kindern ja nur die Presse, der Personalwechsel, mein Buch und wir stressigen Eltern.

Meine Sichtweise:

Wir haben geredet, geredet und geredet! Wir haben vertraut, wieder vertraut gehofft und wieder geredet. Aber nichts, davon hat geholfen! Wir wurden belogen, nicht ernst genommen und unseren Kindern wurde erheblichen Schaden zugeführt! Pädagogisch wurde hier völlig versagt, und sich dann wegzuschleichen, ohne an die Kinder zu denken, welche heute noch mit den Vorfällen zu tun haben, ist einfach nur feige!

  • Wie kann man nachts in den Spiegel schauen und glauben, dass man keine Schuld hat, dass alles gut gelaufen ist, dass Kinder und Eltern lügen?
  • Wie kann man Eltern versprechen, dass man das Kind schützt und dann wieder wegsehen?
  • Wie kann man behaupten, dass wir Eltern der Einrichtung schaden? Wenn die Einrichtung, ein Kind gedeckt hat, welches extreme sexuelle Übergriffe an andere Kinder durchgeführt hat? Und das immer, immer, immer wieder…

Klar, manche von Ihnen werden sagen, dass ich nicht weiß, was das alte Personal denkt usw. Das stimmt auch, was ich weiß, wir sind nicht aus der Welt! Man könnte einfach reden. Und was ich ebenfalls weiß ist, dass die Vertretung des Trägers uns Eltern die Schuld gibt, dass ihre Einrichtung jetzt einen schlechten Ruf hat! Das weiß ich 100%ig, weil sie daraus keinen Hehl macht.

Nach all den schrecklichen Sachen ist Sie betrübt, dass ich ein Buch geschrieben habe, wir die Presse eingeschaltet haben und  so weiter.

Dabei sollte Sie sich Gedanken machen, wie es dazu kommen konnte, dass Sie uns nicht angehört hat! Dass trotz der Versprechungen es zu weiteren sexuellen Übergriffen gekommen ist und vor allem wie man es pädagogisch rechtfertigt, dass ein Kind, weiter „Doktorspiele“ ausüben kann, obwohl bekannt ist, dass dieses Kind dabei übergriffig wird! Denn hier können Sie alle: Psychologen, Therapeuten, Erzieher, Erzieherinnen und weiteres pädagogisches Personal, dieser Welt fragen … Das ist grob fahrlässig!

Aber in einer Welt wo sich alles um Geld, Zahlen und  ich steck den Kopf in den Sand geht, wenn es um das Thema sexuellen Missbrauch, sexuelle Übergriffe, Grenzverletzungen geht, kann man nichts weiter erwarten.

Denn es geht hier wieder mal nicht um die Kinder! Auch wenn das gerne vorgeschoben wird, denn wenn es so wäre, dann hätte man sich aufrichtig entschuldigt, Maßnahmen getroffen die Kinder zu schützen, das Personal nach mehrmaligen Versagen gekündigt und vor allem die Kinder ernst genommen, ihnen zugehört  sowie das Kind bzw. die Kinder der Einrichtung verwiesen!

Denn dann hätte man für die anderen Kinder die richtige Entscheidung getroffen und wirklich geholfen! Die Sache ernst genommen und pädagogisch wertvoll gehandelt.

Aber in dieser kleinen arroganten Welt aus Stolz und beleidigt sein, schiebt man alles vor, damit man bloß nicht eingestehen muss, was hier falsch gelaufen ist …  Dass man die Situation nie unter Kontrolle hatte und das man Kindern geschadet hat! Auch wenn es schwerfällt, erst danach kann man neu anfangen, und wieder in den Spiegel schauen … Aber auch das scheint vielen nicht wichtig zu sein, denn wenn man sich nur lange genug einredet, ich bin nicht schuld, das sind die Anderen, glaubt man vielleicht am Ende daran und kann einfach fröhlich weiterleben …

Ich kann es nicht! Ich werde es nicht vergessen und möchte es auch nicht vergessen, denn ich finde, wir sollten für die Rechte unserer Kinder eintreten! Denn wir sie nicht schützen und für sie kämpfen, wie sollen Sie dann lernen auf dieser Welt zurechtzukommen?