Trauer,Frust und Trost

Kind mit starken Armen vor einer Tafel

Als Elternteil fühlt man sich ziemlich hilflos, wenn das eigene Kind Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen geworden ist. Man fühlt sich schuldig, hilflos und  ist einfach unheimlich wütend. Schließlich hat man sein Kind in fremde Hände gegeben. Die Schuldgefühle nicht da gewesen zu sein oder gar die falsche Entscheidung getroffen zu haben, fressen einen innerlich auf. Viele Menschen, mit denen Sie sich unterhalten werden, werden Ihnen sagen, dass Sie ein größeres Problem haben mit der Situation umzugehen, als Ihr Kind. Am Anfang fand ich das richtig unverschämt, ich habe gedacht: “ klar du hast leicht reden … Ist immer einfacher als außenstehender eine Situation zu betrachten, als mittendrin zu stecken, denn so kann man mit einem anderen Maßstab messen.“

Menschen die, die gleiche Situation erlebt haben, hören Ihnen zu werden Sie verstehen, aber Ihnen auch sagen, dass Sie anfangen, müssen das Geschehene zu verarbeiten, damit Ihr Kind eine Chance hat, die Erlebnisse zu verarbeiten. Auch hier werden Sie mürrisch zuhören … 🙂 Ich kenne diesen Zustand der enormen Wut, Trauer und Frustration. Die Grenzverletzungen sowie die sexuellen Übergriffe lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Für mich war es wie in ein schwarzes Loch zu fallen und keinen Boden mehr zu finden. Gerade weil, es, nachdem wir so gekämpft hatten und wieder dem Personal einen Vertrauensvorschuss gegeben haben, ein sehr harter Schlag. Viele haben mich nach Oktober 2015 gefragt, warum ich mein Kind nicht in eine andere Kita gebe? Eine berechtigte Frage, damals habe ich geantwortet, wenn Sie das umsetzen, was Sie vorhaben, dann könnte diese Kita ein schöner sicherer Ort für mein Kind werden. Heute, weiß ich es einfach nicht mehr. Ich glaube, ich hatte mich emotional zu sehr, auf die arbeiteten Menschen in dieser Einrichtung eingelassen, sodass ich einfach blind war, die Probleme nicht weiter zu sehen. Denn im Endeffekt hatten wir nichts erreicht, das Kind sowie die Haltung des Trägers waren die Gleichen wie vor unseren Kampf gegen die Windmühlen.

Ich glaube, das es gesünder ist eine gewisse Distanz zum pädagogischen Personal zu halten, damit die Enttäuschung, nicht so stark ist, wenn etwas geschieht. Ich war/bin einfach menschlich enttäuscht und diesen Schmerz, kann ich immer noch nicht verarbeiten. Er begleitet mich jeden Tag … Es ist eine Art Trauerbewältigung, man durchläuft verschiedene Phasen und versucht immer wieder neu anzufangen und endlich aus diesem Loch rauszukommen. Ich setze meine Trauer in Laufen und Schreiben um, denn ich muss einfach loslassen, zu erwarten, dass Sie endlich einsehen was Sie unseren Kindern angetan haben, diese Einsicht werde ich nie erreichen.

Viele Menschen werden Ihnen sagen, lassen Sie die Wut hinter sich und schenken Sie all Ihre Kraft, Liebe und Zeit Ihrem Kind, denn nicht Sie sind das Opfer, es ist Ihr Kind! Und da haben die Menschen einfach recht. Klar knabbern wir Erwachsenen daran, aber unser Kind viel, viel mehr. Denn es sieht den Schmerz den wir haben, es muss seine eigenen Ängste überwinden und es vermisst trotz allem seine Erzieherin, die von einem Tag auf den anderen nicht mehr da ist. Ihr Kind stärkt sich an Ihrer Stärke! Wenn es sieht, dass Sie die Situation neu angehen, gut motiviert, frei von Zorn und mit neuer Kraft, dann macht es Ihr Kind auch!

Mein Sohn, hatte Angst vor neuen Kindern, er ist sehr traurig, weil er die alte Leitung sehr, sehr vermisst, aber jeden Tag wird er ein bisschen stärker, fröhlicher und selbstbewusster. Und das, weil wir versuchen unsere Gefühle für ihn in den Griff zu bekommen. Und wenn mich doch wieder die Trauer, der Frust oder der Zorn überkommt, dann schaue ich meinen lachenden kleinen Sohn an und bin stolz, das so ein kleiner Mensch, dem so übel mitgespielt wurde, der so ungerecht behandelt wurde, immer noch die Fähigkeit hat vom Herzen zu lachen! Für mich eines der schönsten Geschenke des ganzen Universums 🙂