Stigmatisierung

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Warum sind sexueller Missbrauch und sexuelle Übergriffe immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft? Wir leben in einer vermeidlich modernen Zeit, viele Stricke sind schon gerissen und wir können uns freier bewegen als vor ein paar Jahrzehnten. Sexualität wird thematisiert und ist nicht mehr etwas geheimnisvolles Stilles. Doch sobald das Thema Missbrauch aufkommt, werden die meisten Menschen stumm und verfallen in eine tiefe Stille. Als aller erstes haben die meisten Menschen, wenn ein Kind oder ein anderer Mensch von seinen Erlebnissen erzählt, misstrauen. Bist du dir sicher? Ist das wirklich wahr? Überleg dir das noch mal, das sind starke Anschuldigungen? Wann ist das denn passiert? Etc. blablabla. Als Opfer bekommt man gleich signalisiert, bevor ich dir glaube, brauche ich erst mal Beweise und das es besser ist zu schweigen.

Doch warum ist das so? Weil man ja niemanden stigmatisieren darf, solche Anschuldigungen haften lange an einem und wenn gelogen wurde, dann werden unschuldige Menschen schwer belastet. Ist alles richtig, aber das Schlimme ist, die Statistik zeigt, dass mehr Opfer schweigen als lügen. Sexueller Missbrauch hat nur Platz in unserer Gesellschaft, weil wir den Tätern die Lobby bieten, welche diese brauchen, um weiter agieren zu können. Das ist eine harte Aussage ich weiß! Aber diese Erfahrung musste ich machen in kleineren Verhältnissen. In unserer Kita kam es zu sexuellen Übergriffen unter Kindern über einen Zeitraum von zwei Jahren, die Handlungen wurden vorwiegend von einem Kind ausgeführt, welches immer geschützt wurde. Nicht nur von seinen Eltern, nein auch von der Einrichtung, dem Jugendamt und dem Träger der Einrichtung. Und das nur, weil, sexuelle Übergriffe der Einrichtung schaden könnten. Anstatt das man angemessen handelt, die betroffenen Kinder auffängt, unterstützt und ihnen zuhört, wurde das übergriffige Kind geschützt. Es ging sogar soweit, dass das pädagogische Personal das übergriffige Kind weiter hat „Doktor spielen“ lassen, obwohl dieses wusste, dass das Kind in solchen Situationen übergriffig wird.

Es kam, wie es kommen musste und das Kind ist zwei Jahre lang übergriffig gewesen! Alle haben weggeschaut und auch heute haben die betroffenen Kinder immer noch das Gefühl, das Sie etwas falsch gemacht haben. Sexuelle Übergriffe unter Kindern sind bei uns in der Gesellschaft ebenfalls ein tabu Thema, denn Kinder haben ja keine Sexualität. Dieser Gedanke ist trotz der modernen Zeiten immer noch in den Köpfen vieler Erwachsenen haften geblieben. Man möchte sich nicht mit diesem Thema auseinandersetzen und schnell dafür sorgen, dass es begraben wird. Und das auf Kosten der Opfer! Denn mit Schweigen hilft man niemanden weder den Opfern noch dem übergriffigen Kindern.

Und genau hier kommt mein Lieblingswort Stigmatisierung wieder ins Spiel! Die Einrichtung möchte nicht, dass diese wegen den übergriffen stigmatisiert wird. Die Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder stigmatisiert werden, das Jugendamt möchte nicht das die Stadt und deren Einrichtungen stigmatisiert werden usw. Ganz ehrlich, wenn es zu sexuellen Übergriffen in einer Einrichtung kommt, dann ist das Handeln, und wie mit der Problematik umgangenen werden, dass Entscheidende! Unser Träger sowie die Einrichtung fanden es ganz schlimm, dass sie stigmatisiert wurden. Anstatt sich Gedanken zu machen, wie es über zwei Jahre lang immer wieder zu sexuellen Übergriffen vorwiegend durch ein Kind ausgeführt kommen konnte. Wie es sein kann, dass die Kinder nicht mehr gerne die Einrichtung besuchen, kein Vertrauen mehr haben und sich Ihnen nicht anvertraut haben. Wie es sein kann, dass auch nach mehreren Gesprächen mit dem Träger, dem Jugendamt und dem Personal, es trotzdem zu weiteren sexuellen Übergriffen kommen konnte. Nein, sich darüber Gedanken zu machen, würde ja heißen, sich mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen, sich eingestehen müssen das Fehlergeschehen sind, dass falsche Entscheidungen getroffen worden sind und, und, und. Schlimm nur das in all den Gedanken nicht ein Gedanke an die Kinder verschwendet worden ist, die Opfer wurden. Die nachts Albträume haben, die sich einmachen, die Angst haben und jetzt sehr viel Zeit brauchen werden alles in Ruhe zu verarbeiten.

Diese Kinder sind ebenfalls stigmatisiert, aber daran denkt keiner. Denn noch heute ist es wichtiger, sexuellen Missbrauch oder sexuelle Übergriffe lieber im Stillen schweben zu lassen, als das Thema in Angriff zu nehmen, es zu thematisieren und präventiv zu arbeiten. Denn wenn wir uns alle bewusst machen, dass es die Art von Gewalt gibt, uns mit dem Thema intensiv auseinandersetzen, sexuelle Übergriffe unter Kindern sollte in das Ausbildungsprogramm von Pädagogen aufgenommen werden, damit das Personal lernt auf Signale zu achten und schneller handeln kann. Aber vor allem sollten wir alle anfangen zuzuhören, ohne zu zweifeln und an die Opfer denken!