Grenzverletzungen sexuelle Übergriffe unter Kindern

fröhliche kinder

Wenn es zu Grenzverletzungen oder sexuellen Übergriffen unter Kindern in einer Bildungseinrichtung kommt, dann kochen die Gemüter ziemlich schnell hoch. Hierbei spielt eine wesentliche Rolle, auf welchen Weg die Eltern erfahren, dass Ihre Kinder Opfer von Grenzverletzungen/sexuellen Übergriffen geworden sind.

Informationsquelle Kinder:

Kinder die Opfer von sexuellen Übergriffen geworden sind,  agieren unterschiedlich. Ein hoher Prozentsatz sagt entweder gar nichts zu Hause oder erst nach reichlich zeitlichem Abstand, was geschehen ist. Das liegt zum einem daran, dass das Kind seine Eltern liebt und diese Schützen möchte, zum Anderen kann es aber auch daran liegen, dass das Kind Angst hat, etwas zu sagen, weil das übergriffige Kind oder die übergriffigen Kinder, dieses zum Schweigen zwingen. Sei es mit Worten oder gegebenenfalls mit Gewalt. Manche Kinder sagen Ihren Eltern nichts, erzählen ihre Geschichte einer anderen Person Ihres Vertrauens, zum Beispiel: der Oma, der Tante oder der Freundin der Mutter usw. Hier kann es sehr gut sein, dass das Kind von der Person Ihres Vertrauens verlangt, dass diese nichts den Eltern erzählen soll. Natürlich wird Sie es machen, nur Sie sollten vorab klären, wie Sie gemeinsam damit umgehen, sodass das Kind nicht auch noch das Vertrauen in diese Person verliert. Mein Tipp ist, dass die Person des Vertrauens, dem Kind klar machen sollte, dass es sich hierbei um ein schlechtes Geheimnis handelt, das es wichtig ist das Thema zu besprechen, damit die Eltern dem Kind helfen können. Geben Sie dem Kind zu verstehen, dass Sie immer für es da sein werden. Bei dem Gespräch dabei sind und gemeinsam mit den Eltern eine Lösung finden, damit es ihm besser geht. Das Problem beseitigt wird und es wieder glücklich in den Kindergarten oder die Grundschule gehen kann. Versuchen Sie dem Kind verständlich zu machen, das auch wenn das übergriffige Kind dem Kind gedroht hat, dass ihm nichts geschehen wird, denn alle Eltern, Erzieher und Sie als Vertrauensperson, werden alles dafür machen, dass eine Lösung gefunden wird, welche alle Kinder der Einrichtung helfen.

Wenn Sie mit dem Kind zu den Eltern gehen, achten Sie darauf, dass die Eltern nicht zu emotional reagieren. Entweder bereiten Sie Eltern vorab alleine darauf vor, oder wenn Sie im Gespräch merken, hier werden starke Gefühle unkontrollierbar, dann greifen Sie sachlich ein. Denn egal wie schlimm das Thema für die Eltern sein mag, hier geht es um das Kind und wie das Kind zukünftig, den schlimmen sexuellen Übergriff überwinden kann und wie die Einrichtung dafür Sorge trägt, dass solche sexuellen Übergriffe nicht mehr vorkommen.

Informationsquelle andere Eltern:

Hier bewegen wir und auf sehr dünnem Eis, vergessen Sie nicht, es sind Informationen von anderen Eltern, welche ebenfalls emotional aufgewühlt sind. Wenn Sie von anderen Eltern erfahren, dass Ihr Kind Opfer von sexuellen Übergriffen geworden ist, versuchen Sie Ruhe zu bewahren. Seien Sie nicht sauer oder aufgewühlt, weil ihr Kind nicht zu Ihnen gekommen ist. Vielleicht wusste es einfach nicht, wie es von dem schrecklichen Erlebnis berichten sollte oder es braucht einfach noch Zeit. Sie werden emotional aufgewühlt sein, in dieser Verfassung hat es keinen Sinn ruhig und besonnen, mit ihrem Kind zu sprechen. Gehen Sie eine Runde spazieren, zum Sport oder reden Sie vorher mit einem Freund, einer Freundin und lassen Sie dort Ihre Wut, Ihren Zorn, Ihrer Verzweiflung freien Lauf. Erst danach sollten Sie das Gespräch mit dem Kind suchen.

Manche Kinder reagieren erleichtert, wenn Eltern Sie auf solche Situationen ansprechen, und platzen mit allem heraus, andere wirken müde und verschlossen. Lassen Sie Ihrem Kind den nötigen Raum, welches es braucht! Zwingen Sie es nicht zum Reden oder führen Sie gar ein Verhör durch, das bringt Ihrem Kind überhaupt nichts außer, dass es noch mehr innerliche Probleme mit sich rumschleppt, weil Sie es unter Druck setzen! Denken Sie immer daran es, geht hier primär um Ihr Kind! Zeigen Sie ihm, dass Sie genügend Zeit, Liebe und Verständnis haben, erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm helfen möchten sowie immer für es da sind! Was mir geholfen hat, ist das Reden mit Stofftieren oder Handpuppen, so können sich die Kinder gehen lassen, haben einen kleinen Schutz und können besser frei kommunizieren. Wenn Ihr Kind sich Ihnen geöffnet hat, dann zeigen Sie ihm, dass Sie ihm glauben, egal wie verrückt es sich für Sie anhört, denn Ihr Kind hat als Opfer keinen Grund sich solche Sachen auszudenken. Versuchen Sie all Ihre Emotionen für diesen Moment zu unterdrücken und geben Sie Ihrem Kind Ihre Kraft.

Informationsquelle pädagogisches Personal:

Wenn Sie das pädagogische Personal über sexuelle Übergriffe informiert, versuchen Sie erst einmal ruhig zu bleiben. Lassen Sie sich die Situationen der sexuellen Übergriffe genausten schildern. Achten Sie hierbei genau darauf, wie das Personal auf Sie zukommt. Ist hier erkannt worden:

  • Dass es sich um eine schwerwiegende Situation handelt oder
  • Wird das Thema banalisiert,
  • Wie geht das Personal mit den Vorfällen um,
  • Werden die betroffenen Kinder ernst genommen,
  • Wurde mit den Kindern bereits gesprochen,
  • Sind weitere Gespräche und Maßnahmen geplant.
  • Usw.

Wenn es das erste Mal zu sexuellen Übergriffen in einer Einrichtung gekommen ist, kann es sehr gut sein, dass das Personal erst einmal überfordert ist. Geben Sie diesem die Zeit, den Sachverhalt zu klären und weitere Maßnahmen einzuleiten. Haben Sie das Gefühl, dass nach einigen Tagen kein Informationsfluss mehr herrscht und auch irgendwie nichts geschieht, bleiben Sie am Ball, fragen Sie immer wieder nach. Die Einrichtung wird sich Rückendeckung holen, vom Träger, vom Jugendamt und gegebenenfalls auch von wirklichen Experten auf diesem Gebiet. Machen Sie das auch, kontaktieren Sie Vereine und Organisationen, welche sich mit diesem Thema befassen, und lassen Sie sich Ratschläge geben, wie Sie mit dieser Situation umgehen sollen, ohne dass Sie Ihr Kind aus den Augen verlieren.

Wichtig ist nur, dass egal von wem Sie informiert werden, Sie immer Rücksprache mit der Einrichtung halten, ob die sexuellen Übergriffe dokumentiert worden sind, ob der Einrichtung bekannt ist, wie viele Kinder betroffen sind, klären Sie, ob die Familien der übergriffigen Kinder informiert worden sind und ob hier gegebenenfalls weitere Maßnahmen eingeleitet worden sind. Bleiben Sie immer nah am Thema und lassen Sie sich die weiteren Maßnahmen, welche die Einrichtung tätigen, möchte immer bestätigen. Achten Sie weiterhin auf alle Signale Ihres Kindes und das alle Eltern informiert werden, natürlich ohne die Namen der Kinder zu nennen, aber über die sexuellen Übergriffen sollten alle Eltern zeitnah bescheid wissen!

Kinder können Zeit sehr schwer abschätzen, so kann es sein, dass der Übergriff schon eine Weile her ist, bevor Sie davon erfahren. Das ist aber kein Grund, das Thema nicht anzusprechen, denn es kam ja zu einem Übergriff, lassen Sie sich da nicht breit quatschen, nach dem Motto: “Es ist schwer eine Zeitlinie zu finden.“ Ist nämlich gerade, wenn die Kinder noch im Kindergartenalter sind, überhaupt nicht wichtig, der Übergriff ist das, was zählt und wie man zukünftig versuchen, möchte weitere Übergriffe zu vermeiden. Zudem kann es sein, dass sich die Aussagen der Kinder manchmal nicht zu 100 % decken, das liegt daran, dass Opfer von sexuellen Übergriffen genauso leiden wie Opfer von sexuellem Missbrauch. Sie erleben die Geschehnisse wie Ohmachtserfahrungen und schämen sich manchmal dafür. So kann es sein das ein Kind erzählt ich, habe mich gewehrt aber leider hat es nicht geholfen, dass ein weiteres Kind sagt, er oder sie hat sich gar nicht gewehrt und nichts gesagt. Auch hier sollte man den Opfern keine Schuldgefühle einreden, denn kleine Kinder müssen noch lernen, wann und wie sie sich wehren. Damit Kinder das lernen, sollten Einrichtungen und Eltern zusammenarbeiten! Die Kinder haben absolut keine Schuld, dass Ihnen so etwas Schreckliches widerfahren ist! Achten Sie darauf, dass weder Sie noch das Personal solche Worte in den Mund nehmen, wie: “Das hättest du doch sagen müssen.“ oder “Da hättest du früher zu uns kommen müssen.“  “ Warum hast du dich nicht gewehrt?“ und so weiter.

Bitte achten Sie darauf, dass es zwischen Ihnen und den Eltern der oder des übergriffigen Kindes, zu keiner emotionalen Eskalation kommt. Unterstellen Sie der Familie, nichts, denn hier wird garantiert ein Schockzustand herrschen, niemand möchte das sein Kind andere Kinder dermaßen verletzt. Auch diese Familie ist geschockt, hat Schuldgefühle, macht sich Vorwürfe und wird sich garantiert hinter sein Kind stellen. Wichtig ist, wie die Familie reagiert, sucht Sie sich Hilfe, sucht Sie das Gespräch, geht Sie auf Sie zu … Merken Sie, dass die Familie wirklich etwas dagegen unternehmen möchte, dann gehen Sie einen Schritt auf die Familie zu. Denn gerade sexuelle Übergriffe sind ein sehr heikles Thema, denn die sexuelle Komponente ist für uns Erwachsene schwer zu tragen, warum das so ist? Naja, hier kommen unsere eigenen Vorstellungen, unsere religiösen Einstellungen sowie vielen weiteren kleinen Faktoren dazu. Sehr schnell unterstellt man den Eltern, dass das Kind Sie beim Geschlechtsverkehr gesehen haben muss. Dabei kann es viele unterschiedliche Gründe haben, warum ein Kind mehrfach sexuell übergriffig wird. Das können nur Kinderpsychologen herausfinden oder anderes therapeutischem Personal, welches sich mit der Materie intensiv beschäftigt.

Zusammenfassung:

Für Sie als Eltern eines betroffenen Kindes zählt, der Schutz Ihres Kindes! Egal, auf welche Weise Sie von den Übergriffen erfahren, Sie müssen Ihr Kind schützen. Sorgen Sie dafür, dass das Thema aufgegriffen und bearbeitet wird! Helfen Sie dabei in dem Sie Experten aus dem Umkreis kontaktieren, bleiben sie immer am Ball, achten Sie genau auf die Reaktionen von anderen Eltern und der Einrichtung. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind wieder sicher und glücklich die Kita oder Grundschule besuchen kann. Lassen Sie sich nicht bequatschen, dass alles harmlos ist und ihr Kind diese sexuellen Übergriffe gut verarbeiten wird und keine Folgeschäden und so weiter davon tragen wird usw. Holen Sie einfach unabhängige Meinungen zum Beispiel von Ihrem Kinderarzt, Pro Familia, andere Beratungsstellen, Vereine und Organisationen, welche sich mit dieser Thematik befassen. Recherchieren Sie im Internet, doch, machen Sie nicht den Fehler, das Thema einschlafen zu lassen und es zu banalisieren, denn das hilft keinem Kind weder Ihrem noch dem oder den übergriffigen Kinder(n).

Denn wenn Sie einschreiten und für Ihr Kind kämpfen, dann lernt Ihr Kind, das Sie für es da sind! Dass es Ihnen vertrauen kann, dass es eine starke Rückendeckung hat und immer auf Sie zählen kann – und ganz ehrlich das ist das Wichtigste was Sie haben können, ein Kind, das durch Sie anfängt, die schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten und gestärkt in die Zukunft schauen kann.