Schutzpanzer Buch erste Kritik

Schutzpanzer Veronika Höller

Ich freue mich heute im Gastbereich eine Email zu veröffentlichen, die ich heute Morgen bekommen habe. Mein Buch Schutzpanzer ist letzten Monat erschienen, hier werden sexuelle Übergriffe in einer Kita über einen langen Zeitraum thematisiert. Mein Buch spaltet die Meinungen und so freue ich mich diese Email zu veröffentlichen, denn am Wochenende hatte ich Besuch von einer Kitaleitung aus einer benachbarten Stadt, welche mein Buch gelesen hat und sich mit mir austauschen wollte. Wir hatten einen spannenden Nachmittag, welcher bis in den Abend reichte und eine hitzige Diskussion, aber am Ende haben wir beide unseren Standpunkt vertreten und verstanden. Und genau darum geht es Kommunikation, ehrliche Kommunikation.

Liebe Frau Höller,

Ich wollte mich noch einmal schriftlich bei Ihnen für das Gespräch am Wochenende bedanken. Diese Email können Sie gerne, in Ihrem Blog veröffentlichen 😉

Wie ich Ihnen schon persönlich erzählt habe, hatte ich ihr Buch gelesen, da mir dieses als „Tipp“ vorgeschlagen worden ist. Wie Sie bereits wissen, wollte ich Ihnen gerne mal eine objektive Meinung vonseiten einer pädagogischen Fachkraft aufzeigen. Primär wollte ich wissen:

  • Was genau Sie bezwecken wollten mit Ihrem Buch.
  • Welche Reaktion Sie sich vom Träger und von der Einrichtung gewünscht hätten.
  • Welche  Vorschläge Sie haben, wie man Ihre Vorstellungen im aktiven Kitaalltag umsetzen kann.

Wie Sie jetzt wissen, arbeite ich seit mehr als 15 Jahren als Erzieherin und bin seit 3 Jahren Leitung. Ich bin daran gewöhnt, Elterngespräche zu führen und auf alle Eventualitäten vorbereitet. Da wenn es um Kinder geht, es immer sehr schnell emotional und persönlich wird. Als Kitaleitung muss ich mein Personal vor genau diesen persönlichen Attacken schützen.  Ich war also auf alles gefasst, bloß nicht auf Sie 🙂

Unser Gespräch hat mir gezeigt, dass es einfach wichtig ist, mit den Eltern noch enger zusammenzuarbeiten. Dass es einfacher ist, ein Schritt auf die Eltern zu zu gehen. Und vor allem zuzuhören! Denn nach all den Jahren ist es wirklich so, dass man manche Forderungen einfach nicht mehr hören kann, weil Sie einfach nicht umsetzbar sind. Ja, es stimmt, man denkt sich oft, lieber hat man 50 Kinder um sich als 50 Eltern.

Unsere Diskussion wie gehe ich richtig mit dem Thema sexuelle Übergriffe und Grenzverletzungen unter Kindern um, hat mir tatsächlich die Augen geöffnet. Als Pädagoge geht man sofort in die Abwehrhaltung, wenn so etwas in der Einrichtung geschieht. Man fragt sich, wie konnte das Geschehen, wann ist das Geschehen, wieso ist das Geschehen und vor allem wie rede ich mit den Eltern ohne das es eine zu große Welle schlägt. Den Zahn haben Sie mir gezogen, mit Ihrem Blick und dem Satz: „Sollte man nicht erst an die betroffenen Kinder denken?“ Dieser Blick und die Schärfe in ihrer Stimme haben mir nach 15 Jahren im Beruf wirklich gut getan. Denn genau das ist es, die Kinder sollten immer die erste Position einnehmen. Die Eltern dann die Zweite und die Haltung der Einrichtung erst die dritte Position.

Denn wie Sie schon sagten, geschehen, kann immer was und wird immer was, wichtig ist nur, dass man danach richtig damit umgeht und einfach einen Plan hat die Kinder vor weiteren Übergriffen zu schützen. Klar wurde unser Gespräch hitzig bei dem Punkt, dass alle Eltern informiert werden müssen. Ich war der Auffassung, dass dies der Einrichtung sowie den beteiligten Kindern nur schadet, es definitiv Probleme geben wird, wegen unterschiedlichen Auffassungen sei es wegen Kultur, Religion oder persönlichen Einstellungen. Aber auch hier haben Sie mich überzeugt. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann zählt nichts mehr als dass gehandelt wird. Die betroffenen Kinder sowie die betroffenen Eltern müssen aufgefangen werden. Die anderen Eltern sollten lieber von uns erfahren, was geschehen ist, als dass Sie es durch die Flüsterpost erfahren, was definitiv geschehen wird.

Ich habe mich dafür entschieden, gemeinsam mit meinen Team, Fortbildungen zum Thema sexuelle Übergriffe, Grenzverletzungen unter Kindern in Angriff zu nehmen. Wir werden Elternabende zu diesem Thema anbieten und unser Konzept anpassen, unter den Gesichtspunkten: Wie gehen wir mit Grenzverletzungen um, welche Regeln gelten für Doktorspiele usw. Wir werden gemeinsam mit den Eltern an diesem sehr kontroversen Thema arbeiten. Mit den Kindern werden wir ebenfalls arbeiten, Selbstbehauptung, mein Körper, Nein sagen, Gefühle und Reaktionen wahrnehmen usw. Danke für die vielen tollen Material- und Literaturtipps. Wir werden uns auch an den von Ihnen vorgeschlagen Verein wenden!

Sie waren in unserem Gespräch wirklich unglaublich stark, Ihre Argumente haben mich wirklich überzeugt, auch wenn wir teilweise nicht der gleichen Meinung sind und waren, was von unseren Positionen aus auch gar nicht geht. Stehen Sie weiter zu Ihrem Buch, gehen Sie mit aufrechten Haupt, denn ich glaube Ihnen, dass Sie mit Schutzpanzer Kindern und Eltern helfen möchten, sich gegen eingefahrene Meinungen zu wehren.

Nochmals danke, für Ihre Zeit, Ihren Mut und vor allem für Ihr offenes Ohr!

Herzliche Grüße

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Ich bedanke mich ebenfalls, für das in meinen Augen spannende Gespräch. Ich fand es sehr spannend und informativ. Ich freue mich, dass Sie meine Argumente angenommen haben, mich haben ausreden lassen, und dass Sie wirklich daran arbeiten, möchten die Kommunikation an Ihrer Kita zu verbessern – für die Kinder, welche immer im Vordergrund stehen sollten! Liebe Grüße Ihre Veronika Höller