Kinder stärken und schützen

Kinderhände für eine bessere Zukunft

Wenn das Kind Opfer von Gewalt, Grenzverletzungen oder sexuellen Übergriffen geworden ist, dann hören wir als Eltern sehr häufig,  „Sie müssen Ihr Kind von Zuhause aus schützen und stärken“.  Große Worte wenn man eben erst die Nachricht verdauen musste, dass etwas Schlimmes geschehen ist und man selbst seinem Kind nicht beistand. Sie werden viele Experten hören und Ihnen werden viele Antworten gegeben und vielleicht kommt dann bei Ihnen auch das komische Gefühl auf, gut hätte ich das vorher gewusst, dann.  Hier möchte ich noch einmal verdeutlichen, Sie sind nicht schuld, dass Ihr Kind Opfer von Gewalt geworden ist! Wichtig ist wie Sie damit umgehen, Ihr Kind auffangen und es vor erneuten Grenzverletzungen schützen können. Hier können wir als Eltern schon sehr vieles von Zuhause aus mitgeben.

Das eigene Gefühl

Bevor Sie anfangen Ihr Kind zu stärken, sollten Sie sich grundsätzlich die Fragen stellen:

  • Wo sind meine persönlichen Grenzen?
  • Wie weit lasse ich meine persönlichen Grenzen überschreiten?
  • Wie gehe ich mit Konfliktsituationen um?
  • Habe ich ein gutes Körpergefühl?
  • Gefühlsbewusstsein?
  • Selbstbewusstsein?

Wenn wir unseren Kindern vermitteln möchten, dass Sie immer auf uns zählen können und wir immer ein offenes Ohr für Sie haben, egal um welche Angelegenheiten es sich handelt, dann müssen wir Vertrauen vermitteln und unseren Kindern Vertrauen entgegenbringen. Erst wenn wir uns über die oben genannten Punkte sicher sind und eingestehen, dass wir hier an uns arbeiten können, können wir unseren Kindern wirklich helfen „STARK“ zu werden. Und damit meine ich nicht, dass sich das Kind mit Gewalt durchsetzt, sondern das es mit einem gesunden Körpergefühl und Selbstbewusstsein, schwierige Situationen erkennt und weiß wie es sich helfen kann. Man kann seine Kinder leider nicht vor allem schützen, aber wir können Sie darauf vorbereiten und im Notfall für Sie da sein und den ein oder anderen Kampf gemeinsam bestreiten!

Literatur die Hilft

Es gibt zahlreiche gute Literatur, welche man im Handel ohne Probleme erhalten kann. Die Bücher sind gerade für Kinder im Kindergartenalter mit vielen Bildern ausgestattet und zeigen den Kindern anhand von verschieden Situationen, wie sich Kinder gefühlt haben. Und erklären sehr schön, was wir hätten besser machen können oder wie wir in so einer Situation handeln sollen. Der Markt an diesen Büchern ist reichhaltig aber hier haben Sie eine wundervolle Sammlung an tollen Büchern:

  1. Der Neinerich von Edith Schreiber Wicke und Carola Holland. Das Buch erklärt den Kindern, wann der Richtige Moment ist NEIN zu sagen. ISBN 978-3-3522-43388-4
  2. Trau dich was. Herausgeberin Rosemarie Portmann. Dieses Buch enthält eine Reihe von tollen Geschichten, die selbstbewusst und mutig machen. ISBN 978-3-401-05107-5
  3. Stopp das will ich nicht! Vorlesegeschichten vom Neinsagen und Grenzen-Ziehen. ISBN 978-3-7707-2915-9
  4. Ich bin doch keine Zuckermaus. Autoren Sonja Blattmann und Gesine Hansen. Neinsage Geschichten und Lieder. ISBN 978-3-927769-36-2
  5. Ich bin stark und sag laut NEIN! Von Susa Apenrade und Miriam Cordes. Geschichten, die das Selbstbewusstsein Ihrer Kinder stärken ISBN 978-3-401-09165-5
  6. Lorenz wehrt sich von Sigrun Eder und Silvia Kettl. Dieses Buch hilft Kindern die sexuelle Gewalt erlebt haben. ISBN 978-3-902647-25-2
  7. Kein Anfassen auf Kommando und kein Küssen auf Kommando von Marion Mebes. Das Buch stärkt Kinder, klare Grenzen zu setzen. ISBN 978-3-927796-92-8
  8. Das große und das kleine NEIN von Gisela Braun und Dorothee Wolters. Nein sagen muss gelernt werden, damit man klar seine Grenzen abstecken kann ISBN 978-3-927-27981-0
  9. Ganz schön blöd von Ursula Enders und Dorothee Wolters, das Buch soll dabei helfen, seine eigenen Gefühle besser zu verstehen. Gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. ISBN 978-3-93106-799-1
  10. Ängstlich, wütend, fröhlich sein– Das praktische Bilderbuch über kindliche Gefühle. ISBN 978-3-473-32834-5

Dies sind nur 10 gute Beispiele es gibt weitaus mehrere tolle Bücher.

Gut, jetzt haben Sie das Material, aber wie vermittelten wir unseren Kindern diese Werte und Erkenntnisse? Denn ein Buch alleine macht aus Ihrem Kind keinen „HULK“. Packen Sie die Bücher einfach in die Bücherkiste, zwischen all den anderen Büchern, wenn das Kind eines rauszieht, dann lesen Sie Ihm daraus vor wie aus den anderen Büchern auch. Kinder mit einem sehr großen Feingefühl, merken direkt, dass es ein anderes Buch ist. Und manche verweigern sich diesen Büchern dann auch. Zwingen Sie Ihr Kind zu nichts was es nicht möchte! Es gibt neben Büchern auch sehr gute Hörspiele, Lieder und Bastelmaterialien und vieles mehr.

Finden Sie heraus, wie Sie am besten an Ihr Kind rankommen, welches Medium Ihr Kind erreicht. Und dann  arbeiten Sie täglich daran.

Grundregeln der Prävention im Elternhaus

Neben Literatur usw., gibt es natürlich noch andere Faktoren die Sie beachten sollten, damit Sie Ihr Kind stärken.

  1. Wenn Ihr Kind alleine auf Toilette möchte, dann lassen Sie das bitte zu.
  2. Wenn Ihr Kind gerade mal nicht kuscheln oder Küsschen verteilen möchte, dann ist das sein eigenes Recht! Tolerieren Sie es bitte!
  3. Wenn Ihr Kind nicht hochgehoben werden möchte, weil der Besuch es sich anschauen möchte oder umarmen möchte, dann stehen Sie Ihrem Kind bei und geben Sie diesem zum Verstehen, dass es alleine entscheiden kann wann es kommen möchte.

Der Körper gehört einem ganz allein, und wenn man nicht gekuschelt, geküsst, gestreichelt oder hochgehoben werden möchte, dann muss man das nicht. Klar gibt es Situationen wie die vierspurige Straße, wo man das Kind lieber tragen möchte, aber hier kann man erklären, schau die Ampel ist nur kurz grün, ich trage dich schnell rüber, dann schaffen wir das. Wenn das Kind dann immer noch nein sagt, kann es an die Hand nehmen und dem Kind klar sagen, hier ist eine Gefahrensituation ich möchte deine Hand oder du kommst auf dem Arm!

Hören Sie Ihrem Kind immer zu, auch wenn es Sie manchmal nervt oder es irgendwie gerade nicht passt, denn Kinder haben die Gabe in den unmöglichsten Momenten mit den komischsten Infos herauszuplatzen. Lassen Sie Ihr Kind reden, hören Sie Ihm aufrichtig zu und glauben Sie Ihm! Denn gerade Kinder die Opfer von Gewalt geworden sind, haben keinen Grund Sie anzulügen. Achten Sie auf die Signale Ihrer Kinder, sollte sich am Verhalten irgendetwas ändern, dann versuchen Sie heraus zu finden woran das liegen kann. Seien Sie immer da für Ihr Kind, denn es hat nur Sie! Zeigen Sie Ihm, dass man gemeinsam viel erreichen kann und das Sie Ihrem Kind immer helfen werden und nicht phlegmatisch abschalten und alles über sich ergehen lassen. Denn wenn Sie aufstehen, dann wird auch Ihr Kind aufstehen und ein starkes, selbstbewusstes Kind, wird seltener Opfer von Gewalt, Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen. Wichtig ist nur das wir gemeinsam mit unseren Kindern arbeiten am Körpergefühl und dem Selbstbewusstsein!