Unterschied Doktorspiele sexueller Übergriff

Schutzpanzer Veronika Höller

Ich möchte heute noch einmal gezielt auf die Definition: Was sind sexuelle Übergriffe und Was sind Doktorspiele eingehen. Vielen Eltern wäre es am liebsten, wenn die Kinder überhaupt nicht „Doktor spielen“, dabei gehört gerade dieses erforschen, den eigenen Körper entdecken, zu schauen, was der Andere hat, zu einer gesunden kindlichen Sexualität und hat nichts mit Erwachsenen Sexualität gemeinsam!

Doktorspiele  

Doktorspiele finden immer unter sich vertrauten Kindern statt, die Neugier den eigenen sowie den anderen Körper zu entdecken, liegt in der Natur des Menschen und ist absolut ein normales Verhalten. Kindliche Sexualität hat nichts mit Erwachsenen Sexualität gemeinsam! Kinder imitieren Verhalten, wie Geschlechtsverkehr, indem Sie zum Beispiel sich aufeinanderlegen und bewegen. Im Rollenspiel unter gleichberechtigten Kindern erkunden sie den Körper des anderen Kindes. Sie respektieren dabei die Grenzen des anderen, wie bei jedem anderen Spiel auch! Kinder führen sich keineswegs Gegenstände vaginal oder anal ein, nur weil sie zum Beispiel Fieber messen nachspielen oder Ähnliches. Bedenken Sie, dass Kinder auch nicht mit Lebensmittel kochen, wenn Sie kochen nachspielen. Kindern ist dieser Unterschied beim Nachspielen völlig klar! Lassen Sie sich hier nicht mit anderen Aussagen täuschen.

Es kann durchaus vorkommen, dass Kinder sich selbst erkunden und dabei Finger in Vagina oder Anus einführen.  Wenn Sie solch ein Verhalten beobachten, achten Sie darauf, dass Ihr Kind keine Gegenstände verwendet, wegen der Verletzungsgefahr und sprechen Sie ganz normal mir Ihrem Kind. Sich zu erkunden ist nichts Verwerfliches. Es sollte sich nur an gewisse Regeln gehalten werden, wie zum Beispiel:

  • Keine Gegenstände zum Einführen benutzen.
  • Im eigenen Zimmer den Körper erforschen und nicht im Wohnzimmer, Wartezimmer oder in der Öffentlichkeit.

Es ist absolut nichts Falsches dabei, den Kindern Schamgefühl zu vermitteln, denn manche Handlungen sind einfach intim. Bei Doktorspielen kann es selbstverständlich auch zu Grenzverletzungen kommen, hier sollten Sie klar auf die Signale ihres Kindes achten. War es aus Versehen und die beteiligten Kinder hören sofort auf und wiederholen die Grenzverletzung nicht, wird das betroffene Kind diesen Vorfall schnell verarbeiten.

Sollte es aber wiederholt zu Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen kommen, können diese Folgen wirklich schwerwiegend sein! Manche Kinder sind traumatisiert, andere zeigen einzelne Symptome auf – die einer psychischen Belastung:

  • Das Kind klagt über körperliche Schmerzen wie Rücken-, Bauch- sowie Kopfschmerzen.
  • Es nässt und kotet sich ein.
  • Die Entwicklung wirkt auf einmal wieder rückläufig.
  • Das Kind zeigt weinerliches ängstliches Verhalten.
  • Es möchte wieder Baby sein und sucht sehr viel Nähe.
  • Es hat Albträume und viele weitere Verhaltensauffälligkeiten.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind Opfer von sexuellen Übergriffen geworden ist, dann ist es ratsam eine professionelle Beratung hinzuzuziehen z. B. durch den Kinderarzt, bei Erziehungsberatungsstellen, Vereinen und Organisationen, welche sich mit dieser Thematik beschäftigen. Hierzu finden Sie weitere Informationen bei:

Sexuelle Übergriffe

Ein Kind ist sexuell übergriffig wenn:

  • Es andere zu sexuellen Handlungen überredet, verführt oder besticht,
  • Sexuelle Handlungen mit körperlicher Gewalt oder Drohungen erzwingt
  • Oder andere Kinder wiederholt und/oder gezielt an den Genitalien verletzt.

Quelle: Zartbitter e. V. Broschüre Doktorspiele oder sexuelle Übergriffe

Ein sexueller Übergriff findet statt, wenn das Kind oder die Kinder andere Kinder sexuelle Handlungen massiv, gezielt und wiederholt aufzwingen. Wenn die Grenzen gleichaltriger oder jüngerer Kinder einfach verletzt werden. Wenn das Machtverhältnis kein Gleichgewicht hat und Kinder gezwungen werden mit Gewalt, Geheimhaltedruck und Erpressung teilzunehmen. Dabei kann es völlig unterschiedlich sein, wie man die Kinder unter Druck setzt, manche werden erpresst, anderen wird mit Gewalt gedroht, wieder anderen reicht es aus, wenn das Kind/die Kinder Ihnen sagen: „Wenn du das nicht machst, dann bist du nicht mehr mein Freund.“ Oder „Du bist uncool.“

Wenn ihr Kind Opfer von Übergriffen geworden ist, dann ist es ganz wichtig, dass Sie dem erzähltem Glauben schenken. Manche Kinder öffnen sich direkt nach solchen Erlebnissen andere wiederum erzählen nichts, da Sie eine Art Schamgefühl entwickelt haben. Hier können Sie mit Hilfe von Experten und Bilderbüchern helfen über die Ängste zu sprechen. Sie als Eltern können Ihrem Kind helfen, indem Sie ihm gut zureden:

  • Du bist nicht schuld!
  • Ich glaube Dir!
  • Ich bin für Dich da!
  • Ich werde Dir helfen!
  • Wenn du nicht darüber sprechen möchtest, ist das in Ordnung!
  • All deine Gefühle sind gerechtfertigt, du darfst sauer, traurig oder ängstlich sein!

Wenn sich Ihr Kind komplett verschließt und Sie spüren, dass es Hilfe braucht, dann gehen Sie noch einmal zum Kinderarzt und lassen sich Therapien verschreiben.

Das übergriffige Kind

Wenn Kinder sexuelle Übergriffe begehen, dann sollte man genau hinschauen und angemessen handeln. Denn dieses Verhalten verwächst sich nicht, es ist ein Verhaltensmodell, welches für das weitere Leben übernommen werden kann. Es gibt Statistiken, die belegen, dass jugendliche Sexualstraftäter bereist früher durch sexuell übergriffiges Verhalten aufgefallen sind.

Warum ein Kind zu solchen Handlungen fähig ist, ist vielseitig und nicht einfach zu beantworten. Nach Zartbitter e. V. können mehrere Faktoren eine Rolle spielen:

  • Zu frühe und emotional überfordernde Konfrontation mit Erwachsenensexualität (zum Beispiel: pornografisches Bildmaterial),
  • Emotionale Vernachlässigung,
  • Zeugenschaft von (häuslicher) Gewalt,
  • Körperliche Gewalterfahrungen in- und außerhalb der Familie,
  • Mobbingerfahrungen in Kita und Grundschule,
  • Vernachlässigung eines grenzachtenden Umgangs zwischen Kindern in pädagogischen Einrichtungen.

Spekulationen haben hier keinen Sinn, dem Kind muss geholfen werden und das können am Besten Kinderpsychologen, Therapeuten oder Ärzte beurteilen. Es liegt nicht in Ihrer Hand, darüber zu spekulieren. Wichtig ist nur, dass das Kind Hilfe bekommt, damit spätere Taten vielleicht verhindert werden können.

Grundpfeiler einer effektiven Präventionsarbeit

Sie sollten auf alle Fälle Zuhause mit Ihrem Kind arbeiten, um es zu stärken und dafür sorgen, dass die Einrichtung diese Pfeiler ebenfalls ernst nimmt.

  • Körperbewusstsein
  • Bestimmungsrecht über den eigenen Körper
  • Gefühle wahrnehmen.
  • Selbstbewusstsein stärken und fördern.
  • Auf sein Bauchgefühl hören und darauf vertrauen.
  • Gute Geheimnisse schlechte Geheimnisse
  • Hilfe holen ist kein Petzen.
  • NEIN sagen
  • Nein sagen dürfen!
  • Sowie den Unterschied lernen zwischen guten und komischen sowie schlechten Berührungen.
  • Eine frühkindliche Sexualerziehung mit Hilfe von Bilderbüchern und anderen Materialien

Man kann sein Kind leider nicht vor allem schützen, aber man sollte alles dafür tun, dass die Kinder stark werden. Ungerechtigkeiten sollten ausgesprochen werden, denn Sie sind der Anwalt für Ihre Kinder! Wenn Sie Ihren Kindern zeigen wir stehen für dich ein, wir sind für dich da, dann wird es sich ihnen auch anvertrauen.