Woran erkenne ich das mein Kind Opfer von sexuellen Übergriffen geworden ist?

Schutzpanzer Veronika Höller

Viele Grenzverletzungen unter Kindern finden in Bildungseinrichtungen statt. Hier treffen mehrere Kinder verschiedenen Alters aufeinander, was neben positiven Lerneffekten, ebenfalls zu Gewalterfahrungen führen kann. Als Elternteil bekommt man diese Grenzverletzungen nur sehr selten mit, wenn die Einrichtung diese nicht klar und transparent mit den betroffenen Eltern kommuniziert. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass wir Signale unserer Kinder wahrnehmen! Denn Kinder verarbeiten Gewalterfahrungen sehr unterschiedlich. Manche packen diese in Ihrem Kopf einfach weg, manche tragen diese ihr Leben lang mit sich. Kinder öffnen sich nur selten ihren Eltern, zu einem, um die eigenen Eltern zu schützen, zum Anderen, weil Sie sich schuldig fühlen und denken, das Nichts sagen, die bessere Alternative ist- gerade bei sexuellen Übergriffen unter Kindern. Wenn Grenzverletzungen unter Kindern stattgefunden haben und die Eltern auf irgendeine Weise davon erfahren, dann bekommen Sie sehr schnell Angst und fangen an nachzufragen. Was meines Erachtens völlig normal ist! Aber in einem Ernstfall, von der anderen Seite so ausgelegt werden kann, dass man seinen Kindern Worte in den Mund legt oder diese sogar ausgefragt hat. Denn niemand möchte sich gerne mit diesem brisanten Thema auseinandersetzen und sich eingestehen, dass Fehler geschehen sind.

Signale erkennen.

Wie oben bereits geschrieben, bei manchen Kindern sehen Sie absolut kein Unterschied im Verhalten. Sie sind fröhlich, gehen morgens gerne zur Kita und reden nicht von irgendwelchen Gewalterfahrungen. Hellhörig sollten Sie werden, wenn Ihr Kind auf einmal:

  • Sich vermehrt in der Kita wieder einnässt und/oder einkotet, obwohl das Kind sauber war.
  • Sehr still wird und sich zurück zieht
  • Auf einmal unter Bauch-, Kopf- oder Rückenschmerzen leidet.
  • Vermehrt Kinder erwähnt, die das Kind ärgern oder wegen dem ihr Kind nicht mehr in die Einrichtung möchte (hier immer mal nachhören warum?)
  • Sich das Kind auf einmal nur noch von einem Elternteil anziehen lassen möchte oder sogar anfassen möchte
  • Das Kind sich absolut verweigert, wenn es darum geht, die Einrichtung zu besuchen, auf einmal krank wird, sich die Kleidung vom Leib reißt usw.
  • Komische Spiele erwähnt, auf einmal zu Hause anfängt mit Zunge zu küssen, usw.
  • Auf einmal Schlafprobleme bekommt, Albträume hat oder einfach nicht schlafen möchte
  • Wenn Ihr Kind auf einmal vermehrt blaue Flecken aufweist, wund im Vaginalbereich ist usw.
  • Wenn Ihr Kind vermehrt Krankheiten aufweist wie: Blasenentzündungen, Probleme mit den Atemwegen usw.

Sollten Sie das Glück haben, dass sich ihr Kind öffnet, dann glauben Sie ihm! Egal wie absurd, oder wie unbegreiflich es für Sie ist, Ihr Kind hat kein Grund zu lügen! Zeigen Sie von Anfang an, dass Sie Ihrem Kind glauben, für es da sind, dass Sie die Angelegenheit klären werden. Und machen Sie das auch! Stellen Sie keine zu direkten Fragen, setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck, zeigen Sie Interesse und haben Sie ein offenes und liebevolles Ohr. Wenn Ihr Kind eine andere Vertrauensperson in Ihrer Familie oder im Freundeskreis hat, dann holen Sie sich von dieser Person Hilfe. Wichtig ist nur, dass Ihr Kind weiß, da ist jemand, dem ich vertrauen kann, und die Person hilft mir.

Handeln

Sprechen Sie mit dem pädagogischen Personal, erzählen Sie diesem, was Ihr Kind erzählt hat. Stellen Sie ganz klar, dass Sie Ihrem Kind glauben und das Sie verlangen, dass die Angelegenheit aufgelöst wird und den betroffenen Kindern geholfen wird. Lassen Sie sich nicht bequatschen, stellen Sie klare Forderungen und zeigen Sie deutlich, dass Sie der Anwalt für Ihr Kind sind! Sprechen Sie mit anderen Eltern, Sie werden sehen, in vielen Fällen sind Sie nicht alleine. Denn wenn man Eltern auf solche Situationen anspricht, fallen Ihnen auf einmal viele Signale auf, welche Sie vorher nicht beachtet haben. Versuchen Sie gemeinsam eine Änderung hervorzurufen.

Prävention 

Starke Kinder brauchen Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein! Hier können Sie sehr viel im Familienverband erarbeiten. Wenn Ihr Kind ein gutes Körpergefühl hat und sich sicher sein kann, dass es mit all seinen Problemen direkt zu Ihnen kommen kann, dann wird es sich Ihnen schneller öffnen. Hier helfen gute Bilderbücher, Liebe, Verständnis, Geduld und Zeit! Man kann sein Kind nicht vor allem schützen, aber in solchen brisanten Fällen wie massive Grenzverletzungen und sexuelle Übergriffe, sollten wir unserem Kind klar und deutlich signalisieren, dass wir als Eltern das sind, unser Kind schützen sowie nicht zulassen, das so etwas wieder geschieht.