Gewalt an Schulen

kind mit Gefühlen Angst, traurig alleine

Gewalt an Schulen wird in drei Kategorien geteilt

  1. Die körperliche Gewalt, die angewendet wird, um andere zu schädigen.
  2. Die verbale Gewalt führt zu Beleidigungen, Erniedrigungen und zur emotionalen Erpressung.
  3. Die dritte Kategorie ist das „Bullying“, hier wird das Opfer dauerhaft drangsaliert, wobei nonverbale als auch verbale Gewalt angewendet wird.

Wie weit ist Gewalt an Schulen verbreitet?

Schulische Gewalt ist weitgehend geprägt von Medienberichterstattungen und öffentlichen Diskussionen. Hier werden ohne wirkliche Studien brutale Einzelfälle als Tendenz stilisiert. Deutschland hat keine flächendeckenden Untersuchungen zur Gewalt an Schulen. Einzelne Regionen arbeiten projektbezogen an diesem wichtigen Thema.

Die wichtigsten Ergebnisse empirischer Studien an Schulen haben folgenden Inhalt:

  1. Verbale Gewalt ist die häufigste Form an Schulen, meistens ist sie geprägt durch leichte verbale Aggressionen. Mädchen sowie Jungen sind dieser Form von Gewalt ausgeliefert.
  2. Gewalt tritt am häufigsten untern den Schülern im pubertierenden Alter statt. 13-16-Jährige setzen sich meist mit körperlicher Gewalt auseinander. Hier ist der Prozentsatz der Jungen die zu körperlichen Mittel greifen erheblich höher als bei Mädchen.
  3. An Hauptschulen sind physische Gewalttaten öfter aufzufinden als an Gymnasien.
  4. In den meisten Fällen geht die Gewalt von einer kleinen Gruppe aus.
  5. Schüler, die häufig Opfer von Gewalthandlungen werden, wenden diese auch überproportional oft selbst an. Das bedeutet: Täter sind meistens Opfer von Gewalt.
  6. Die Hälfte aller Vorfälle finden in den Pausen statt, ein Fünftel im Sportunterricht oder bei anderen sportlichen Aktivitäten.
  7. „Bullying“ oder Mobbing findet mittlerweile an fünf Prozent unserer Schulen statt, Täter attackieren die Mitschüler ohne selbst Opfer von Gewalt zu werden.

Ist Gewalt an Schulen auf dem Vormarsch?

„Die Gewaltbereitschaft unter Schülern hat enorm zugenommen. Es wird viel schneller und härter gedroht und zugeschlagen“, sagt Josef Kraus, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Joachim Kersten, Soziologe an der Polizeifachhochschule Villingen-Schwenningen, allerdings sagt : „Die Schule war im 19. Jahrhundert ein Ort jugendlicher, vor allem männlicher Gewalt, sie war es im 20. Jahrhundert, und – o Wunder – ist es auch im 21. Jahrhundert.“

Da es keine Langzeitstudien gibt, können die Werte oder Zahlen nicht statistisch dargestellt werden. Hans-Dieter Schwind ein Osnabrücker Kriminologe hat nach Durchsicht einzelner Studien folgenden Trend herausgearbeitet.

  1. Die Anzahl von Schülern die Schwierigkeiten in der Schule haben nimmt zu. Das aggressive Verhalten dieser Schüler endet oft in gewalttätigen Übergriffen, betroffen sind meist schwächere Mitschüler.
  2. Gewalt geht oft von Gruppen aus, die auch außerschulisch Gewalt anwenden.
  3. Körperliche Misshandlungen geschehen meist aus nichtigen Anlässen und leider meist völlig grundlos.
  4. Die Täter trinken mehr Alkohol, gehen häufiger in Discos und schauen mehr Gewaltvideos als ihre Mitschüler.
  5. Was man nicht vergessen darf: Egal wie groß der Einfluss von außen auch sein mag, Konflikte entstehen durch Fehlverhalten innerhalb der Schule.

Wie wichtig ist die Problemwahrnehmung?

Nicht nur die Gewalt Vorkommen sind entscheidend, sondern auch das Klima und das Wahrnehmen von Schülern und Lehrern, in Bezug auf Gewalt an ihrer Schule. Gerade vor verbaler Gewalt haben Schüler und Lehrer am meisten Angst. Diese „Angst“ beeinflusst das Lernen äußerst negativ.

Dan Ake Olweus, ein schwedischer Psychologe und Professor der Persönlichkeitspsychologie, sieht vier Faktoren, die die individuelle Entwicklung ungünstig beeinflussen können:

  1. Mangelnde emotionale Zuwendung der Eltern
  2. Mangelnde Grenzsetzung durch die Bezugsperson bei aggressivem Verhalten
  3. Körperliche oder machtbetonte Erziehungsmittel
  4. Ein hitzköpfiges Temperament des Kindes

Gewalt an Schulen sowie Gewalt in der Gesellschaft sollte man auf keinen Fall trennen. Denn alle Studien zeigen, dass ein enger Zusammenhang zwischen beiden besteht. Steigt die Gewalt in der Gesellschaft an, findet mehr Gewalt an Schulen statt. Die heutigen freien Medien tragen ebenso zur Gewaltbereitschaft bei. Internet, Fernsehen, Zeitungen oder Mobilfunkgeräte, Teenager und Kinder haben täglichen Zugang zur Gewalt.

Quellen & Buchtipps:

  • Dan Olweus: Bullying at School. Blackwell ISBN 978-0631192411; 152 Seiten 23,99€
  • Josef Kraus: Ist die Bildung noch zu retten? Herbig ISBN 978-3776626100; 223 Seiten 16,95€
  • Dan Olweus: Gewalt in der Schule. Huber ISBN 978-3456843902; 128 Seiten 14,95€