Prävention/ Intervention

viele bunte glückliche kinderhände

Wir sind verantwortlich unsere Kinder zu stärken und zu schützen. Dazu gehört einfach die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Gewalt, Gewaltformen und was wir in der Erziehung bereits für unsere Kinder tun können. Mit der ernsten Auseinandersetzung und Anerkennung welche Formen von Gewalt es gibt legen wir schon den ersten Grundstein gegen Gewalt vorzugehen.

Viele Eltern fragen sich wie kann ich mein Kind vor Gewalt schützen?

Wenn Sie mit Ihrem Kind präventiv arbeiten, dann fangen Sie immer mit den Stärken des Kindes an. Unsere Kinder sind am Anfang von uns abhängig, aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir unsere Kinder nicht unseren Bedürfnissen und Willen unterordnen, sondern sie in ihrer Eigenheit, ihrem Willen, ihrem Selbstbewusstsein ernst nehmen und ihrer Persönlichkeit die Chance geben sich frei zu entfalten.

Denn unsere Kinder wissen und haben ein Gespür dafür, was ihnen gut tut. Ihre Stärken zu fördern ist die beste Art der Intervention gegen Gewalt. Ich weiß, dass es uns Erwachsenen nicht immer leicht fällt, diese Stärken zu unterstützen, denn manchmal ist man einfach im Zeitdruck oder möchte „das das Kind funktioniert“, aber wenn wir als Erwachsene klare Grenzen ziehen und uns durchsetzen, dann sollten unsere Kinder ebenfalls das Recht dazu haben. Denn Sie sind nicht unsere Untergebenen, sondern unsere Kinder, die irgendwann selbstbewusst und stark ihr eigenes Leben meistern werden.

Die Grundpfeiler einer präventiven Erziehung sind:

  • Stärken sie die Wahrnehmung und das Selbstbewusstsein Ihres Kindes, Ihr Kind soll seine Gefühle wahrnehmen, erkennen und lernen darauf zu vertrauen. Denn gerade im Umgang mit vielen anderen Menschen seien es Kinder oder Erwachsene sind die eigenen Gefühle einen Grundstein für Selbstschutz. Darum lehren Sie Ihrem Kind, seine Gefühle zu verstehen und auf diese zu vertrauen.
  • Ihr Kind hat das alleinige Bestimmungsrecht über seinen Körper! Bestärken Sie Ihr Kind darin seinen Körper als kostbar, einzigartig und wertvoll anzusehen. Klären Sie Ihr Kind über seinen Körper auf, beantworten Sie ruhig alle Fragen. Wenn es Ihnen nicht leicht fällt, dann benutzen Sie Literatur, es gibt viele wunderbare, kindgerechte Bücher, die Ihnen dabei helfen können, die richtige Sprache zu finden. Verwenden Sie keine Verniedlichungen für die Geschlechtsorgane sondern sagen Sie ruhig Penis, Scheide oder Vagina. Das ist nichts Verwerfliches, sondern die Bezeichnung für den Intimbereich. Klären Sie Ihr Kind altersgerecht über Sexualität auf, denn wenn Ihr Kind vorher richtig aufgeklärt ist und seine Grenzen kennt, kann dies ein notwendiger Baustein sein, Ihr Kind vor sexuellen Übergriffen von anderen Kindern zu schützen.  Klare Regeln für Doktorspiele helfen den Kindern dabei, Grenzverletzungen sofort zu erkennen und zu melden.
  • Ihr Kind sollte lernen gute und schlechte oder komische Berührungen zu unterscheiden. Beobachten Sie Ihr Kind zum Beispiel, wenn Tante, Oma und Co. dem Kind ein Kuss oder eine Umarmung aufdrängen. Fragen Sie es, wie es diesen Umstand empfunden hat, und unterstützen Sie es, wenn es klar und deutlich NEIN sagt! Denn Ihr Kind hat das Recht darauf selbst und frei zu entscheiden, was seinem Körper gut tut. Manchmal sind Berührungen schön und werden dann erst komisch, auch hier sollte Ihr Kind gelernt haben nachträglich zu sagen jetzt reicht’s, das finde ich unangenehm.
  • Der Umgang mit Geheimnissen gehört ebenfalls zu einer gesunden Präventionsarbeit dazu. Es gibt gute Geheimnisse und schlechte Geheimnisse, erklären Sie Ihrem Kind die Unterschiede und das es völlig in Ordnung ist zu sprechen, wenn ihrem Kind das Geheimnis ein schlechtes, unwohles Gefühl vermittelt.
  • Ihr Kind ist nicht schuld daran, wenn ihm Gewalt angetan wird! Und genau das müssen Sie Ihrem Kind auch vermitteln!
  • Ihr Kind hat das Recht Hilfe zu holen und auf Hilfe zu bekommen! Hilfe zu holen ist kein Petzen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, bei wem es Hilfe holen kann. Erklären Sie Ihrem Kind auch, dass es manchmal sehr schwer sein, kann Hilfe zu holen und, dass es alles richtig macht.
  • Nehmen Sie Ihr Kind ernst mit allen seinen Äußerungen! Fördern Sie sein Mitteilungsbedürfnis. Wenn Ihr Kind von Übergriffen berichtet, dann nehmen Sie Ihr Kind ernst, hören Sie zu und lassen Sie Ihr Kind ausreden. Zeigen Sie ihm, dass Sie ihm glauben, ihm helfen werden und für das Kind das sein werden! Denn genau diese Bereitschaft dem Kind uneingeschränkt zu glauben, ist der wichtigste Grundstein bei der Aufdeckung von sexuellem Missbrauch!

Es war lange Tradition Kinder in festgelegten Geschlechterrollen zu erziehen. Diese Erziehungsweisen sind veraltet und können einfach schaden. Denn, wenn man Mädchen immer dazu erzieht, brav, lieb und gehorsam zu sein, dann sind Sie leichtere Opfer für sexuelle Übergriffe.

Mädchen, die ermutigt werden, eigenwillig zu sein, selbstbewusst durchs Leben zu gehen und gelernt haben, dass Sie sich nicht alles gefallen lassen müssen, werden weniger Opfer von sexuellen Übergriffen.

Wenn Sie einen Jungen dazu erziehen hart, stark und ein Kerl zu sein, wird es sehr schwer sein von ihm zu erfahren, ob er Opfer von sexuellen Übergriffen geworden ist. Denn der Junge wird sich schämen, hilflos sein und das Gefühl haben selbst Schuld an der Situation gewesen zu sein, weil er sich als Junge hätte wehren sollen.

Auch Jungs dürfen Gefühle zeigen, Trauer, Angst, Verzweiflung und Schmerz, sind ganz normale Gefühle die selbst Männer einmal durchleben. Zeigen Sie Ihrem Sohn, dass es in Ordnung ist, diese Gefühle frei auszuleben.

Klare Regeln helfen beim Zusammenleben mit Kindern.

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind klare Regeln, welche helfen sollen, Ihr Kind vor Gewalt zu schützen. Zum Beispiel legen Sie drei Personen fest, welche Ihr Kind im Notfall ohne vorherige Absprache abholen dürfen. Legen Sie ein Vertrauenspasswort fest, welches nur die engsten Vertrauten kennen, wenn Ihr Kind die Person danach fragt und diese kennt es nicht, weiß Ihr Kind mit dieser Person soll ich nicht mitgehen!

Vermitteln Sie Ihrem Kinde in gesundes Körpergefühl, sodass es im Notfall abschätzen kann:

  1. Habe ich ein Ja oder ein Nein Gefühl?
  2. Weiß meine Familie oder eine Person meines Vertrauens, wo ich bin?
  3. Bekomme ich tatsächlich Hilfe, wenn ich Sie brauche?

Wir als Eltern, Tanten und so weiter können sehr viel unternehmen, die Kinder die wir lieben zu stärken und zu schützen. Wenn wir früh damit anfangen unseren Kindern ein gutes Gefühl für Sein empfinden zu vermitteln, haben wir einen großen Schritt Richtung Prävention gegen Gewalt unternommen. Aber am aller Wichtigsten ist, unterstützen Sie Ihr Kind, glauben Sie ihm und vermitteln Sie ihm, dass Sie für es einstehen, egal was kommt!