Optimaler Handlungsleitfaden, wenn es zu sexuellen Übergriffen in der Kita Ihres Kindes gekommen ist

gemeinsam stark sein

    1. Wenn Sie von sexuellen Übergriffen unter Kindern in Ihrer Kita erfahren, dann melden Sie diese Bitte umgehend dem pädagogischen Personal.
    2. Geben Sie dem Personal gute 5 Tage Zeit, die Vorfälle mit allen Eltern zu kommunizieren und Handlungsmaßnahmen einzuleiten.
    3. Sollten Sie das Gefühl haben nach 5 Tagen ist nichts geschehen.
    4. Schreiben Sie eine anonyme Fallbeschreibung und berufen Sie eine private Elternversammlung in einem Lokal ein. Geben Sie den Eltern zu verstehen, dass das Erscheinen sehr wichtig ist, aber sagen Sie noch nicht alles. Alle Geschehnisse werden dokumentiert (ohne Namen) Schreiben Sie anstelle der Namen übergriffiges Kind nachfolgend Kind 1 genannt und die anderen Beteiligten werden ebenfalls beziffert. Schreiben Sie alles detailgetreu auf, was ist Geschehen, wenn Sie es wissen wann und wo. Fügen Sie noch hinzu, ob die Kinder normalerweise Spielpartner sind oder nicht. Ein weiteres Plus ist, wenn Sie aufschreiben, wie Sie auf die Bezeichnung sexuelle Übergriffe kommen, wir haben die Broschüre Doktorspiele oder sexuelle Übergriffe hierfür verwendet, unter jeder Fallbeschreibung aus diesem Prospekt zitiert, warum wir davon ausgehen, dass es sich in diesem Fall um einen sexuellen Übergriff und keine Grenzverletzung handelt.
    5. Holen Sie sich externe Unterstützung bei einer Organisation zum Beispiel Freio e. V., Zartbitter e. V., Strohhalm e. V. usw., schildern Sie die Vorfälle und bestenfalls begleitet Sie ein Mitglied bei der Elternversammlung.
    6. Klären Sie die Eltern auf, beschreiben Sie genau die Vorfälle zeigen Sie Ihre Fallbeschreibung und nehmen Sie weitere auf, falls weitere Eltern auf Sie zukommen.
    7. Entwerfen Sie, gemeinsam mit den Eltern ein Handlungsplan.
    8. Schreiben Sie ganz deutlich, welche Maßnahmen Sie von der Einrichtung in welchen zeitlichen Rahmen erwarten. Und was Sie unternehmen werden, damit diese auch eingehalten werden.
    9. Erstellen Sie ein Protokoll über diese Versammlung, lassen Sie alle Teilnehmenden auf jeder Seite des Protokolls unterschreiben. Versenden Sie dieses Protokoll sowie die Fallbeschreibung mit einem aufklärenden Brief an alle Eltern.
    10. Reden Sie erneut mit dem pädagogischen Team, stellen Sie Ihre Forderungen klar da und zeigen Sie Stärke, indem Sie dieses mit allen solidarischen Eltern machen.
    11. Holen Sie Hilfe für die betroffenen Kinder, gehen Sie zu Ihrem Hausarzt, lassen Sie sich weiter beraten und Adressen geben.
    12. Entscheiden Sie in ihrem engen Familienverbund, ob es ein zurück in die Kita geben kann oder ob Sie das Vertrauen verloren haben und lieber wechseln möchten.
    13. Falls Sie wechseln möchten, dann nehmen Sie sich einen Anwalt, der Sie, wenn notwendig beim Jugendamt unterstützt und Ihnen zu einem neuen Platz in der Kita Ihrer Wahl verhilft.
    14. Wenn Sie in der Kita bleiben, dann achten Sie darauf, dass alle Vereinbarungen und Maßnahmen auch tatsächlich eingehalten werden.
    15. Lassen Sie das Thema nicht einschlafen! Thematisieren Sie es immer wieder, damit das Personal nicht wieder in alte Muster verfallen kann.
    16. Legen Sie sich einen dicken Schutzpanzer an und stehen Sie über den Blicken und Reaktionen der anderen Eltern und dem pädagogischen Personal. Denn Sie machen alles richtig, und nur weil es unangenehmer wird, heißt es nicht, dass Sie etwas falsch machen.
    17. Suchen Sie sich Gesprächspartner, bei denen Sie frei reden können und anfangen, können die Sache zu verarbeiten.
    18. Wenn Sie sich für Presse und Strafanzeige entscheiden, dann vergessen Sie nicht noch genügend Kraft und Zeit für Ihr Kind aufzubringen.
    19. Holen Sie sich Hilfe! Lassen Sie sich nicht unterkriegen! Sprechen Sie mit Menschen Ihres Vertrauens! Seien Sie nicht zu enttäuscht, wenn Sie mit einer großen Elternschaft starten aber am Ende vielleicht alleine sind. Bleiben Sie Ihrer Linie treu!
    20.  Wenn Sie Ihre Kinder aus der Einrichtung raus lassen, bis die Angelegenheit geklärt ist, bilden Sie Mütterbetreuungsgruppen. Teilen Sie die Wochentage auf und betreuen Sie abwechselnd oder zu zweit die Kinder. Je nachdem wie viele Kinder draußen bleiben. So haben die Kinder weiterhin Ihre Freunde und Sie können sich besser auf die bevorstehenden Tage und Gespräche vorbereiten. Für berufstätige Mütter ist dieses Betreuungsangebot ebenfalls sehr wichtig, damit man in solchen Fällen in keine Betreuungskonflikte gerät. Seien Sie füreinander da, unterstützen Sie sich und halten Sie vor allem zusammen!

    Seien Sie nicht entmutigt, wenn nicht alle Eltern der Einrichtung mit Ihnen an einem Strang ziehen, das Thema ist so brisant, dass viele Eltern nicht wissen, wie Sie mit dieser Situation umgehen sollen. Einige Eltern werden sagen, wir verstehen euch, aber wir sind ja nicht betroffen. Versuchen Sie hier sanft und geduldig, den Eltern zu erklären, dass wenn so etwas in einer Einrichtung geschieht, jeder betroffen ist, da man nicht sagen kann, was das eigene Kind gesehen oder erlebt hat. Hier sollten Sie auf die Elternherzen appellieren und versuchen zu erklären, dass wenn Sie nicht zusammenhalten, die Einrichtung zukünftig schwere Vorfälle ebenfalls verheimlichen wird. Viele Eltern können sich nicht in die Lage der betroffenen Eltern versetzten und möchten auch keine Nachteile aus dieser Situation ziehen, indem Sie Ihr Kind aus der Kita rauslassen. Sie sagen Ihrem Kind, spiel einfach nicht mit dem übergriffigen Kind und denken, dass Sie die Situation so wieder im Griff haben. Lassen Sie diese Eltern ziehen und versuchen Sie den Großteil einfach zu überzeugen, denn eine Einrichtung kann ohne Kinder und ohne deren Eltern nicht existieren. Und mit einer starken Gemeinschaft haben Sie Einfluss etwas zu bewegen und Veränderung herbeizurufen. Neben vielen Eltern, von denen Sie enttäuscht sein werden, werden andere Sie überraschen. Denn viele Eltern, mit denen Sie vielleicht vorher nicht viel zu tun hatten, werden für Sie einstehen und Ihnen helfen. Und genau diese Menschen sind, die auf die Sie sich konzentrieren müssen. Sie sind wertvoll im Leben und bei Ihrem Projekt Ihre Kinder zu schützen. Die Eltern, die am Anfang dabei waren und Feuer und Flamme sind, welche Sie auf der Reise verlieren, können Sie getrost weiterreisen lassen. Denn indem Sie aufstehen und gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen, vermitteln Sie Ihrem Kind, das Sie immer für es da sind, Sie ihm helfen, wenn es in Not ist und Sie es keiner weiteren Gefahr aussetzen! Und das zählt mehr, als Menschen, die sich verschließen und Angst haben sich der Problematik zu stellen, keinen Widerstand haben möchten. Denn hier weiß man nicht, welche Folgen es im späteren Leben für Ihre Kinder haben wird.