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fröhliche kinder

Zur aktiven Gewaltprävention gehört die gewaltfreie Kommunikation, sie ist der Schlüssel zur Konfliktbearbeitung. Im täglichen Miteinander ist Kommunikation der wichtigste Faktor, verbale sowie nonverbale Kommunikationstechniken können gezielt geschult und gefördert werden. Erwachsene sollten mit gutem Beispiel vorangehen und trotz ihres Machtgefälles mit ihren Kindern oder Schülern respektvoll und voller Akzeptanz kommunizieren.

Grundfunktionen der Kommunikation

Viele Schüler versuchen gerade in der Kommunikation etwa in der Schule oder im Unterricht die Kontrolle zu bekommen. Sie möchten auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Die Kontrolle erreichen sie mit nonverbalen und verbalen Mitteln. Sie reden oder fragen viel, führen demonstrativen, direkten Blickkontakt, haben eine betont lockere Haltung, unterbrechen das Gespräch eines anderen oder beenden selber abrupt das Gespräch.

Sprachstile beeinflussen solche Kontrollversuche, gute Aussprache und korrekte Hochsprache werden mit einem hohen sozialen Status und Kompetenz in Verbindung gebracht.

Die richtige Nähe und Distanz in der Kommunikation zu finden, hängt von der Art der Beziehung ab, Eltern-Kind, Lehrer-Schüler, Freund-Freundin. Nähe erreicht man, indem man einem anderen bewusst Informationen über sich selbst zur Verfügung stellt. Mit dieser Selbstenthüllung erwartet man entsprechende Erwiderung. Die dahinterstehende Absicht ist, eine positive Wertschätzung für das eigene Selbst zu schaffen.

Nähe und Distanz spielen in der schulischen Kommunikation sowie generell zwischen Erwachsenen und Kindern eine große Rolle. Die Kinder spielen nach der Rollendefinition bei der Kommunikation mit Erwachsenen die schwächere Rolle, Erwachsene sollten aus diesem Grund besondere Sensibilität und Rücksichtnahme den Kindern entgegen bringen.

Die vier Seiten einer Nachricht

Nachrichten, Informationen oder Kommunikationen haben neben der Inhalts- und Beziehungsseite noch zwei weitere Aspekte, die Selbstoffenbarung und den Appell. Dieses Modell wurde von dem Hamburger Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schultz von Thun auf der Grundlage der Überlegungen von Paul Watzlawick entwickelt.

Der Sachinhalt

Jede Nachricht beinhaltet eine Sachinformation von geschehenen Erlebnissen, Erinnerung oder gehörten Informationen.

Die Selbstoffenbarung

In jeder Nachricht stecken nicht nur Informationen über die mitgeteilten Sachinhalte, sondern auch Informationen über die Person, die spricht.

Die Beziehung

Aus jeder Nachricht geht hervor, wie der Sender zum Empfänger steht, in welcher Beziehung die Gesprächspartner stehen. Der Tonfall sowie die gewählte Formulierung sind die entscheidenden Signale für den Empfänger. Er/sie fühlen sich entweder gut oder schlecht behandelt und dies entscheidet, wie er/sie agieren wird.

Der Appell

Jede Nachricht hat den Zweck auf den Gesprächspartner Einfluss zu nehmen. Mit dem Appell kann man verschiedene Signale senden. Entweder der Empfänger fühlt sich herabgesetzt oder vollwertig behandelt.

Alle vier Seiten spielen immer gleichzeitig eine tragende Rolle, so dass man alle beherrschen sollte. Einseitige Zurückhaltung stiftet Kommunikationsstörungen, so nützt es nichts, wenn man sachlich Recht hat, aber auf der Beziehungsseite Unheil stiftet.

Die Sicht des Gegenübers

Die vier Seiten einer Nachricht betrachtet von der Sicht des Gegenübers ist je nachdem welche Seite vertreten wird eine andere.

  1. Er/Sie wird angehört und es wird versucht die erhaltenen Informationen zu verstehen.
  2. Sobald der Sachverhalt geklärt ist, wird die Nachricht auf die Selbstoffenbarungsseite überprüft. Zum Beispiel: „ Was ist das für einer?“
  3. Die Beziehungsseite entscheidet je nach Sympathie.
  4. Die Auswertung der Appell-Seite geschieht, indem man abwägt: „ Auf welcher Seite will mich mein Gegenüber hinhaben.“

Zwischenmenschliche Kommunikation ist unheimlich kompliziert, der Empfänger der Nachricht hat immer die freie Wahl, welche Seite er/sie bezieht und wie er/sie reagiert. Jeder hat die Wahl nur auf eine Seite der Nachricht zu hören, anstatt alle vier Seiten zu durchleuchten. Darum kommt es immer wieder zu Kommunikationsstörungen.

Wenn im Vorfeld, etwa in der Schule, gewaltfrei kommuniziert wird, indem alle vier Seiten einer Nachricht durchleuchtet werden, kann man Kommunikationsstörungen, die oft zu Gewalt führen, frühzeitig entgegenwirken. Neben der verbalen Kommunikation spielt die Körpersprache eine genauso große Rolle.